{"id":7560,"date":"2026-07-24T09:09:36","date_gmt":"2026-07-24T07:09:36","guid":{"rendered":"https:\/\/reinhardstammerart.com\/?page_id=7560"},"modified":"2026-07-25T08:42:52","modified_gmt":"2026-07-25T06:42:52","slug":"elementor-7560","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/reinhardstammerart.com\/index.php\/elementor-7560\/","title":{"rendered":"Vincent"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"7560\" class=\"elementor elementor-7560\" data-elementor-post-type=\"page\">\n\t\t\t\t<div data-particle_enable=\"false\" data-particle-mobile-disabled=\"false\" class=\"elementor-element elementor-element-49d983c e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"49d983c\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\" data-settings=\"{&quot;jet_parallax_layout_list&quot;:[],&quot;ekit_has_onepagescroll_dot&quot;:&quot;yes&quot;}\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t<div data-particle_enable=\"false\" data-particle-mobile-disabled=\"false\" class=\"elementor-element elementor-element-0537bc7 e-con-full e-flex e-con e-child\" data-id=\"0537bc7\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\" data-settings=\"{&quot;jet_parallax_layout_list&quot;:[],&quot;ekit_has_onepagescroll_dot&quot;:&quot;yes&quot;}\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-cabea16 elementor-widget elementor-widget-heading\" data-id=\"cabea16\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;ekit_we_effect_on&quot;:&quot;none&quot;}\" data-widget_type=\"heading.default\">\n\t\t\t\t\t<h2 class=\"elementor-heading-title elementor-size-default\"><b>Vincent<\/b><\/h2>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-c67c59b elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"c67c59b\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;ekit_we_effect_on&quot;:&quot;none&quot;}\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p lang=\"\"><i>2010<\/i><\/p><p lang=\"\"><i>\u00a0<\/i><\/p><p lang=\"\"><i>Eine Geschichte f\u00fcr Kinder ab 10 Jahren<\/i>.<\/p><p lang=\"\">\u00a0<\/p><p lang=\"\">\u00a0<\/p><p lang=\"\">Vincent flog hoch \u00fcber den Wolken. F\u00fcr ihn schien es keine Schwerkraft zu geben, Er umkreiste die Erde, kam der Sonne nah und \u00fcberlegte, ob er die Sterne erreichen k\u00f6nnte.<\/p><p lang=\"\">Je h\u00f6her er flog, desto k\u00fchner wurden seine Gedanken.Vincent war noch jung und unbedarft. Die einzige Sorge, die ihn qu\u00e4lte, war die, vielleicht irgendwann einmal wieder zur\u00fcck zur Erde kehren zu m\u00fcssen. Aber diese Sorge verflog genauso schnell, wie er mit ausgebreiteten Armen, einem Adler gleich, durch die L\u00fcfte schoss.Es ist nicht anzunehmen, dass jemand auf der Erde ahnte, was dort \u00fcber ihm passierte.<\/p><p lang=\"\">Vincent war einfach 3 Jahre nach seiner Geburt verschwunden. Seine Eltern waren nicht einen Moment verzweifelt. F\u00fcr sie trat das ein, wenn auch versp\u00e4tet, worum sie auch schon vor seiner Geburt bem\u00fcht gewesen waren: ihn gar nicht erst zur Welt kommen lassen.<\/p><p lang=\"\">Die ersten 2 Jahre, in denen Vincent mit seinen Eltern leben musste, waren, wie man sich denken konnte, nicht die gl\u00fccklichsten. Er bekam wenig zu essen, wurde geschlagen und er f\u00fchlte, dass er unerw\u00fcnscht war. Er schrie wenig, denn er h\u00e4tte sowieso niemanden damit erreichen k\u00f6nnen. Auch a\u00df er nicht sehr viel, kaum mehr als ein kleiner Vogel. Sowenig, dass ein Blick auf seinen kleinen, d\u00fcnnen K\u00f6rper den Eindruck erwecken musste, Vincent w\u00fcrde bald wie eine Feder davonschweben. Es war nat\u00fcrlich niemand da, der einen Blick auf Vincent geworfen hat und wenn es jemanden gegeben h\u00e4tte, w\u00fcrde das Jugendamt eingeschaltet worden sein.<\/p><p lang=\"\">Seine Eltern interessierte es nicht, wie es ihrem Kind ging. Sie schienen sogar etwas begl\u00fcckt dar\u00fcber zu sein, dass Vincent sehr krank wurde und ihnen vielleicht nicht mehr lange zur Last fallen w\u00fcrde. Er war wohl auch sehr krank, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite durchlebte er in dieser Krankheit einen Prozess, der ihn von Grund auf ver\u00e4nderte. Er wurde immer schw\u00e4cher und das Stehen fiel ihm zunehmend schwerer. Er begann sich immer h\u00e4ufiger unterhalb des Zimmerfensters zu legen und in den Himmel zu schauen. Es sei erw\u00e4hnt, dass ihn seine Eltern niemals mit nach drau\u00dfen nahmen, aus Angst davor, Nachbarn k\u00f6nnten das Elend, in dem sie Vincent dahinvegetieren lie\u00dfen, erkennen, um es alsdann bei staatlicher Stelle zu melden. Abgesehen davon, hatten sie auch gar nicht das Bed\u00fcrfnis ihm mehr von der Welt zu zeigen.<\/p><p lang=\"\">Vincent fing an zu tr\u00e4umen. \u00c4rzte w\u00fcrden vielleicht gesagt haben, so sie ihn gesehen h\u00e4tten: der Junge f\u00e4ngt zu halluzinieren an. Aber alles im Leben kann man von 2 Seiten betrachten. Vincent nat\u00fcrlich nicht. Er erreichte nicht das Alter um so differenziert denken zu k\u00f6nnen. Er sah Bilder und fing an, die gewohnten schmerzvollen Eindr\u00fccke, die damit verbunden waren, durch Bilder, die ihm durch das Schauen nach drau\u00dfen vermittelt wurden, auszutauschen.<\/p><p lang=\"\">Die Sonne, f\u00fcr die er keinen Begriff kannte, spendete ihm W\u00e4rme, das Blau des Himmels, wof\u00fcr er nat\u00fcrlich ebenfalls keine Worte hatte, erf\u00fcllte ihn mit Sehnsucht. Der Mond, der sich immer wieder ver\u00e4ndernd, sein karges Zimmer, in ein fahles, unwirkliches Licht h\u00fcllte. Die Sterne, die ihm aus weiter, weiter Ferne zuzuwinken schienen. Dann die V\u00f6gel, die er auch nur als Erscheinungen in seinem Blickfeld wahrnahm und sich einf\u00fcgten in das eine gro\u00dfe Ganze, die dort oben so unbeschwert und leicht, manchmal wie Pfeile hin und herschossen und manchmal, ohne die Fl\u00fcgel zu bewegen, auf unsichtbaren Wellen dahinglitten. Einige schienen in der Luft stehen zu bleiben Es kam vor, dass sich ein kleiner Vogel auf den Fenstersims setzte und zu ihm hereinschaute. Er neigte seinen kleinen Kopf zur Seite und fing an, auf seine Art mit Vincent zu sprechen.<\/p><p lang=\"\">So zumindest erschien es ihm, denn zu sprechen hatte er in den zweieinhalb Jahren nicht gelernt. Einzelne, ganz wenige Worte, die er h\u00f6rte und zuordnen konnte, nutzte er manchmal, um ein Bed\u00fcrfnis auszudr\u00fccken, das gemeinhin unerf\u00fcllt blieb. Zum Schluss war es meist das Wort Schlafen, wie oft schrie seine Mutter ihn an: \u201eSchlaf endlich ein\u201c. Nun f\u00fchlte er mehr als dass er es sagte: ich m\u00f6chte nur noch schlafen.<\/p><p lang=\"\">Dies \u00e4nderte sich, nachdem er seine Position unterhalb des Fensters eingenommen hatte. Er schlief kaum noch.<\/p><p lang=\"\">Er nahm die Welt da drau\u00dfen als ein riesiges bewegtes Bild wahr. Alles geh\u00f6rte zusammen und verschmolz miteinander. Es schien dort eine wunderbare, fremde Kraft zu geben, die ihm erstmalig in seinem Leben, das Gef\u00fchl von Gl\u00fcck und Liebe vermittelte.<\/p><p lang=\"\">Er wurde jedoch durch seine Lebensumst\u00e4nde daran gehindert, ganz in dieser Welt aufzugehen. Seine Sehnsucht von hier fort zu kommen, wuchs von Tag zu Tag. Er nahm seine kleine, von Schmerz erf\u00fcllte Welt kaum noch wahr. Eines Tages setzte er sich nackt vor das Fenster und wartete auf den kleinen freundlichen Besucher, der sich auch bald auf die andere Seite des Fensters setzte, seinen Kopf zur Seite neigte und einige fr\u00f6hliche Strophen zu singen anfing. Vincent f\u00fchlte, wie sich etwas in und an ihm ver\u00e4nderte. Er fing zu singen an, allerdings in der Sprache des Vogels und ihm wuchsen kleine Federn. Seine Eltern nahmen diese Ver\u00e4nderung nicht wahr. Wie \u00fcblich bekam er einen Teller Suppe und eine Scheibe Brot. Dann wurde er wieder alleine gelassen.<\/p><p lang=\"\">Er a\u00df immer weniger und wurde immer d\u00fcnner und leichter. Die Federn bedeckten bald seinen ganzen K\u00f6rper. Zart strich er sich \u00fcber sein Federkleid und sang ganz leise in der Sprache, die ihn nun jeden Tag von der anderen Seite des Fensters gelehrt wurde. Manchmal sa\u00dfen dort viele kleine V\u00f6gel und sangen zunehmend intensiver und auffordernder. Komm sangen sie, komm zu uns. Du bist nun einer von uns. Fliege!<\/p><p lang=\"\">Es war eine wunderbare Melodie, mit der diese Aufforderung an ihn herangetragen wurde. Sein Herz schlug laut, als er sich vor das Fenster stellte. Es fiel ihm nicht schwer. Er f\u00fchlte sich wie von einer fremden Kraft beseelt, die ihn nun auch das Fenster \u00f6ffnen lie\u00df.<\/p><p lang=\"\">Er war ziemlich genau 3 Jahre alt, als er die Arme weit spannte und sein Federkleid zum ersten Mal in der Sonne gl\u00e4nzte. Er lie\u00df seine alte Welt hinter sich. Anfangs noch etwas unbeholfen, versuchte er in der luftigen Bodenlosigkeit, das Gleichgewicht zu halten. Umringt wurde er von einer ungeheuren Anzahl seiner gefiederten Freunde, die ihm jede nur erdenkliche Hilfe angedeihen lie\u00dfen. Sie zeigten ihm, wie er die unterschiedlichen Luftstr\u00f6mungen erkennen und f\u00fcr seinen Flug nutzen konnte und wie er mit seinen Kr\u00e4ften haushalten musste. Eigentlich ging alles sehr schnell und es kam auch zu keinen gr\u00f6\u00dferen Unf\u00e4llen. Nur einmal \u00fcbersah er einen Mast, an dem sich Windfl\u00fcgel drehten und w\u00e4re fast hineingeraten. Aber er lernte sehr schnell, auch dass kleine Misserfolge notwendig waren, um aus Fehlern lernen zu k\u00f6nnen.<\/p><p lang=\"\">Er verga\u00df die Zeit, als er einsam und vergessen in seinem dunklen Zimmer lebte und nur sein eigenes Herz schlagen h\u00f6rte das, von den Schreien und Schl\u00e4gen seiner Eltern angstvoll unterbrochen wurde. Hier oben, in dieser grenzenlosen Freiheit, schlug sein kleines Herz im Puls der Sonne, im Rauschen des Windes, im Prasseln des Regens, der manchmal dicht \u00fcber ihm aus dunklen Wolken fiel, im Krachen eines Gewitters oder im Zucken eines grellen Blitzes. Er w\u00fcrde niemals Worte finden, die das beschreiben w\u00fcrden. Alles geh\u00f6rte zusammen und war eins und er geh\u00f6rte dazu. Von Tag zu Tag verschmolz er mehr mit seiner neuen Umgebung, bis ihn nichts mehr umgab, sondern alles in ihm zu sein schien. Die Welt war er und er war die Welt. Er war erf\u00fcllt von Gl\u00fcck, man kann dieses \u00fcberw\u00e4ltigende Gef\u00fchl auch Liebe nennen, allerdings nicht in dem uns gewohnten Sinne, sondern als ein Gef\u00fchl, das alles in sich einschloss, nichts ablehnte und nichts bevorzugte.<\/p><p lang=\"\">Vincent flog alleine, dann wieder gemeinsam mit anderen V\u00f6geln. Mit gro\u00dfen und mit kleinen. Er entwickelte F\u00e4higkeiten, die keiner seiner vielen Freunde hatte. Er flog h\u00f6her und schneller. War wendiger und nutze geschickter den Wind und die Str\u00f6mungen der Luft. F\u00fcr alle Zeiten h\u00e4tte er so weiterfliegen k\u00f6nnen, wenn da nicht manchmal etwas w\u00e4re, dass seinen Flug ausbremste. F\u00fcr einen Moment nur, tauchten Bilder in seinem Kopf auf, die aus einer anderen Welt zu kommen schienen, aber doch so wirklich waren. Er sah sich auf einem kalten Boden liegen ohne Federn am K\u00f6rper und er fror. Diese Welt war klein und beengt und ohne Freude. Das Vergessen hatte nicht alle Erinnerungen l\u00f6schen k\u00f6nnen und so setzte er sich auf einen Zweig oder einen Dachfirst oder auf einen Felsvorsprung, Pl\u00e4tze an denen er diese Bilder zu verarbeiten versuchte. Er konnte sie nicht einfach beiseite dr\u00e4ngen, denn er wusste nun, dass sie wiederkommen w\u00fcrden. Seine Fl\u00fcgel wurden in solchen Momenten sehr schwer.<\/p><p lang=\"\">Dies war der Moment, in dem sich etwas wie eine Frage in seinem Kopf ausbreitete. Etwas war anders, als bei den anderen. Er war anders als die anderen. Und so fing er langsam an, sich aus seinem Universum herauszul\u00f6sen. Er sprach mit seinen Freunden, die anf\u00e4nglich nicht begeistert dar\u00fcber waren, dass Vincent sich seiner Vergangenheit zu erinnern begann. Sie versuchten ihn auf andere Gedanken zu bringen. Aber es n\u00fctzte nichts. Vincent wollte wissen, was anders an ihm war.<\/p><p lang=\"\">Er verlor das Gef\u00fchl daf\u00fcr, dass alles zusammengeh\u00f6rte. Seine Fl\u00fcgel waren Teil der L\u00fcfte, wie auch sein Fl\u00fcgelschlag, die Luft nicht unbewegt lie\u00df. Er ern\u00e4hrte sich von dem, was die Natur ihm bot und er gab es wieder zur\u00fcck. Die Sonne w\u00e4rmte die Erde und die Wolken sch\u00fctteten Regen aus. B\u00e4ume wuchsen, auf denen er sich unter schattenspendenden Bl\u00e4ttern niederlassen und ausruhen konnte. Es war eine gro\u00dfe, sch\u00f6ne Welt und nichts fehlte und nichts war zuviel. Alles war miteinander verwoben und nun fing dieses Bild an, sich vor seinen Augen aufzul\u00f6sen. Wer war er? Ein Vogel, der vor seiner Vogelzeit in einem Raum lebte, ohne Pflanzen, ohne Sonne und ohne seine Freunde? Der kein Federkleid besa\u00df und nicht fliegen konnte? War das m\u00f6glich?<\/p><p lang=\"\">Verwirrt flog er mal hierhin, mal dorthin. Es gab Gegenden, die ihn nicht sonderlich interessierten und die er niemals anflog. Aber irgendwie sp\u00fcrte er, dass er sich diesen Orten n\u00e4hern musste. Orte, die so anders waren, als die freie wildwachsende Natur und der unbegrenzte Luftraum, in dem er sich so wohlf\u00fchlte. Dort unten war es laut und stickig.<\/p><p lang=\"\">Aber die Ger\u00e4usche waren ihm nicht fremd. Er hatte sie schon vernommen. Auch fremd und von Ferne, denn auch damals hatte er sich ihnen nicht n\u00e4hern k\u00f6nnen. Er sah sich gefangen in einem Zimmer, einer kleinen dunklen Welt &#8211; bevor er ein Vogel wurde. Irgendwann einmal kein Vogel gewesen zu sein, sondern eines jener Wesen, wie es sie dort unten so viele zu sehen gab, denn sie sahen so aus, wie er sich in seiner Erinnerung selbst sah, lie\u00df ihn beinahe abst\u00fcrzen. Er lief Gefahr, die Kontrolle \u00fcber seine Fl\u00fcgel zu verlieren. Es l\u00f6sten sich auch einige Federn aus seinem Gewand, was zur Folge hatte, dass er ziemlich hilflos gegen den Sog nach unten anzuk\u00e4mpfen versuchte. Ich kann fliegen, redete er sich ein. Ich kann doch fliegen. Was passiert mit mir?<\/p><p lang=\"\">Er st\u00fcrzte auf genau jenen Fenstersims, der ihm vor langer Zeit als Basis f\u00fcr seinen ersten Flugversuch gedient hatte. Ein Blick durch das Fenster, lie\u00df seine Bef\u00fcrchtung zur Gewissheit werden. Er ist hier aufgewachsen, vor langer Zeit. Er war nicht immer ein Vogel.<\/p><p lang=\"\">Diese Erkenntnis ersch\u00fctterte ihn zutiefst. So sehr, dass er anfing zu zittern. Vor Angst? Vor K\u00e4lte?<\/p><p lang=\"\">Beides mag zugetroffen haben, denn als er an sich hinabschaute, war er federlos und seine Haut glich der einer gerupften Gans. So wie er vor nicht allzu langer Zeit oben im Himmel gesungen hatte, weinte er nun hier unten auf dem Fenstersims. Dann merkte er, dass das Fenster nicht verschlossen war. Er stieg in das Zimmer und seine Verwandlung zur\u00fcck zum Menschenjungen Vincent war vollendet. Es schien niemanden sonst hier zu geben. Alle T\u00fcren standen auf. Die R\u00e4ume waren menschenleer. Ein Fenster klapperte im Wind und alte, vergilbte Vorh\u00e4nge waren das einzigste was sich hier bewegte. Nein, hier konnte er sich nicht wohlf\u00fchlen und hier wollte er nicht bleiben. Der Mond schien wieder durch sein Fenster und tauchte das Zimmer in das fahle Licht. So als w\u00e4re nichts geschehen, schaute er direkt in Vincents verst\u00f6rtes Gesicht. Er l\u00e4chelte ihm zu und sprach: \u201eschau Vincent, dies ist Deine Vergangenheit und das bist Du. Du wirst Dich niemals ganz vergessen k\u00f6nnen. Vor diesem Fenster bist Du eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht. Ein Teil Deiner Seele verlie\u00df diese Welt, verwandelte sich in einen Vogel und hatte sich so einen Traum von Dir erf\u00fcllt. Ein anderer Teil stieg weiter auf, immer weiter. Vorbei an mir und vorbei an der Sonne, verlie\u00df dieses Planetensystem und suchte sich einen Platz hoch oben am Nachthimmel, um dort f\u00fcr alle Ewigkeit zu strahlen. Nebenbei sei erw\u00e4hnt, dass ein Sternengucker einen neuen Stern am Firmament entdeckt hatte und diesem auch gleich einen Namen gab. Was denkst Du wie er ihn genannt hatte?<\/p><p lang=\"\">Vincent I, und ich wei\u00df nicht, ob dies ein Zufall war\u201c. Der Mond l\u00e4chelte&#8230;<\/p><p lang=\"\">Die Geschichte, die der Mond ihm erz\u00e4hlte, \u00fcberforderte Vincent. Er schloss vor Entkr\u00e4ftung und \u00dcberm\u00fcdung die Augen. Doch ist das nichts au\u00dfergew\u00f6hnliches, denn Kinder lieben es, wenn ihnen eine Gutenachtgeschichte erz\u00e4hlt wird und es war das erste Mal, dass er dies erleben durfte.<\/p><p lang=\"\">Und wieder wuchsen ihm Fl\u00fcgel. Sein K\u00f6rper bedeckte sich mit Federn und Vincent hob ab. Er flog. Er flog immer h\u00f6her. Lie\u00df seine Freunde, die sich wieder versammelt hatten, um ihn in ihrem Kreis aufzunehmen weit unter sich, umkreiste den Mond, der ihm zuzwinkerte, nahm Kurs auf die Sonne. Hier tankte er nochmals W\u00e4rme auf, denn sein Weg f\u00fchrte ihn in die k\u00e4ltesten und dunkelsten Regionen, die dieses Universum zu bieten hat. Irgendwann traf er einige uralte Sterne. Ihr Licht schien schon schw\u00e4cher zu werden. Andere wiederum erstrahlten in einer Helligkeit, die ihn fast erblinden lie\u00dfen. Das mussten die j\u00fcngeren Sterne sein. Ungest\u00fcm und voller Lebenslust warfen sie leuchtende B\u00e4lle aus Licht ins All. Sie k\u00fcmmerten sich nicht um ihn. Ein kleiner Vogel schien sie nicht zu beeindrucken.<\/p><p lang=\"\">Vincent wusste nicht wohin er fliegen sollte. Er glitt dahin auf unsichtbaren Wellen, die durch das ganze Weltall liefen. Er gab sich einfach diesen Str\u00f6mungen hin, bis er eines Tages an einen Ort kam, an dem es nur junge, neue Sterne und Sternchen gab. Sozusagen ein kosmischer Kinderhort. Er sp\u00fcrte eine Kraft, die ihn anzog wie ein riesiger Magnet und da war er: der Stern Vincent I. Was f\u00fcr ein Gef\u00fchl von Liebe und Gl\u00fcckseligkeit ging von ihm aus. Er fing an zu pulsieren und erstrahlte in allen nur erdenklichen Farben. Das Herz von unserem Vincent schlug so laut, dass einige Astronomen auf der Erde, glaubten, es als eine Art Sternenbotschaft beschreiben zu m\u00fcssen. Nun waren sie wieder vereint. Nichts und niemand w\u00fcrde sie jemals wieder voneinander trennen k\u00f6nnen.<\/p><p lang=\"\">Vincent umkreiste Vincent I auf einer immer gleichbleibenden Umlaufbahn. Mit einigen ganz besonders starken Fernrohren auf der Erde kann man dies beobachten. Es wurde vermerkt, dass man ein neues Sonnensystem entdeckt h\u00e4tte und wieder meldeten sich einige Wissenschaftler zu Wort, die vermuteten, dass es doch noch Leben au\u00dferhalb der Erde geben k\u00f6nnte.<\/p><p lang=\"\">Vincent interessierte das nicht. Er war endlich richtig gl\u00fccklich &#8211; unendlich gl\u00fccklich.<\/p><p lang=\"\">\u00a0<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vincent 2010 \u00a0 Eine Geschichte f\u00fcr Kinder ab 10 Jahren. \u00a0 \u00a0 Vincent flog hoch \u00fcber den Wolken. F\u00fcr ihn schien es keine Schwerkraft zu geben, Er umkreiste die Erde, kam der Sonne nah und \u00fcberlegte, ob er die Sterne erreichen k\u00f6nnte. 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