Die Chronik vom aufgehenden Untergang
Diese Chronik erzählt keine Geschichte.
Sie folgt keinem Plan, kennt weder Anfang noch Ende.
Sie besteht aus Augenblicken, Erinnerungen, Träumen, Fragen und Bildern – festgehalten über viele Jahre.
Manches widerspricht sich. Manches bleibt rätselhaft. Vieles verliert seine Zeit und findet sie erst beim Lesen wieder.
Wer einen roten Faden sucht, wird ihn wahrscheinlich nicht finden.
1989 – 2005
Hinweis zur Navigation
Die folgenden Orientierungspunkte dienen ausschließlich der leichteren Navigation durch die Chronik. Sie sind keine Kapitel oder Unterteilungen des Textes, sondern helfen dabei, bestimmte Stellen schneller wiederzufinden:
1 Schritte die begeistern.
2 Die Wellen laufen weiter
3 Niedliche, goldene Engelchen gerissen?
4 Aber die bekommt man auch am Bahnhofskiosk.
5 Aber unerschütterlich ist auch der Glaube an die Zukunft.
6 Wer weiß, was Dich jetzt erwartet.
7 Spüre, wie Du geboren wirst
8 Ich denke an Dich
9 Mitten in das Geschehen hinein
10 Der Himmel über der blutrot geäderten,
11 Neues kündigt sich mit Sturmgeläut an Deiner Haustür an
12 Nur tastend komme ich vorwärts
13 Ihr solltet Euch von Euren Sitzen erheben
14 Ich suchte mein Fahrzeug in der Tiefgarage.
15 Schlechtes, Abgestorbenes wird ans Ufer gespült.
16 Ein Krieg in Nahost droht Wirklichkeit zu werden
17 Als wenn der Film angehalten worden wäre.
18 Das Abenteuer konnte nur bestehen
19 Noch niemals zuvor
20 Ich habe die Chronik nun von den ersten Seiten bis zu diesem Schluss begleitet.
Schritte die begeistern.
Gehen – begangen – bangen.
Vielfach, einfach und zurück.
Warum?
Verlieren kann jeder.
Ansonsten haben wir keine Zeit.
Aber sie ist für alle da.
Nur selten passiert etwas.
Darum kommen wir auch zurück.
Hattest Du etwas gesagt?
Macht nichts.
Der Mond scheint.
Silberfische an der Wand.
Sternenklare Nacht.
Zikaden geigen.
Wagentüren schlagen.
Mondsüchtig?
Nein – verloren
Der Himmel schreit.
Habe es alles ganz anders gemeint.
Bin deshalb auch zurückgegangen.
Ein kleiner Hund kläfft.
Im Hausflur.
Undeutliche fremdsprachige Stimmen.
Nackte Frau.
Breitbeinig.
Denkt sie an mich?
Habe ich an sie gedacht?
Wege gehen weiter – rechts und links herum und auch im Kreis.
Warum Warten?
Haben wir nichts zu erwarten?
Kommt denn alles auf uns zu?
Sind wir dabei?
Hand an sich selbst gelegt.
Wie war es beim ersten Mal?
Wer kann das noch sagen?
Wir werden uns bestimmt wiedersehen!
Habt ihr Euer Spiel beendet?
Nein?
Es geht weiter!
Wohin?
Nirgendwohin!
Wir wollen es abwarten.
Warum habt ihr alles erduldet?
Habt Ihr gelitten?
Ich kenne mich selbst nicht wieder.
Der Schweinestall .
Unaufgeräumt.
Wie kam die Seemöwe hierher?
Niemand hat es heraufbeschworen.
Und doch ist die Geschichte beendet worden.
Nicht hier.
Woanders.
Ich war nicht dabei
Kann mich auch nicht erinnern.
Das galt sowieso nicht mir.
Sollen sie es woanders versuchen.
Grashalm geknickt-
Die Magd ins Heu geschickt.
Immer wieder die selben Dinge.
Entwickelt sich etwas?
Wann?
Warum?
War ich dabei?
Habe ich nichts mehr zu sagen?
Aber die Zeit bleibt stehen.
Die Musik ist leiser geworden.
Hunde bellen und kleine Kinder schreien.
Menschen tanzen auf der Strasse.
Der Vulkan brodelt.
Eisenbahnen im Tunnel steckengeblieben.
Ein schwarzer Papagei huscht über den Bildschirm.
Ich habe Dich zugedeckt.
Du könntest frieren.
Und habe nur an Dich gedacht.
Wo ist das Marmeladenglas.
Habe mich verloren.
Der Tanz geht weiter.
Überquellende Sehnsucht.
Ins Fleisch geschnitzt.
Faulig.
Fliegen behaftet.
Und der Spaß nimmt kein Ende.
Aus der Kirche-griechisch-orthodox-,
weht eine Liturgie herüber.
seit Jahrhunderten schon.
Von drüben.
Wer kennt schon die Anknüpfungspunkte.
Bin ich dabei?
Die Wellen laufen weiter,
selbstvergessen gegen an.
Unentwegt bewegt.
Hat sich der Anfang auch so zugetragen?
Wieder andere sehen dies nicht so.
Aber es sind immer die Zirkuspferde, die es den Kindern antun.
Manche werden niedergetrampelt.
Auch werden wir nicht selten am falschen Ort aufgezogen.
Damit hat dann jemand seine Pflicht erfüllt.
Und plötzlich dreht der Wind.
Wird heftig.
Und was für bezaubernde Düfte breiten sich,
durch meine Nase streichend,
in meinen Hinterkopf bis hinab in meinen Bauch aus.
Dann überkommt mich die Sehnsucht, diesen Wellen gleich, einzutauchen
und mich vollzusaugen
mit tropischem, arktischem,
feuchtem, trockenem,
schwerem, leichtem,
salzigem, süßem,
gischtigem, brodelndem Prana.
Mich vor den Küsten der Kontinente zu zentrieren,
gleich einem gewaltigen Orkan,
die eingeschlafenen, ausgetrockneten Hirne
ihrer aufrechtgehenden, zweibeinigen Bewohner wachzurütteln
und mit Springfluten über ihre begrenzten Ufer treten zu lassen.
Großmauliges Gefasel.
Der Sturm im Wasserglas hat sich gelegt.
Kleine Böen werfen mich um.
Eine Schwalbe tanzt im Wind – geschmeidig auf und ab.
Eine junge Frau kümmert sich liebevoll um ihren an den Rollstuhl gefesselten gelähmten Mann.
Sie fragt nicht – sie tut.
Auf keine Frage eine Antwort.
Zerbrochener Stuhl im Kohlenkeller.
Zu viele Zimmer sind ausgekühlt und feucht geworden.
Die schnelle Jagd auf flüchtige Trophäen
erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit.
Vielleicht sollte ich mir eine Arche Noah bauen?
Wer kommt an Bord?
Ist da noch jemand in mir?
Jemand, der überlebt hat?
Der nicht ertrunken ist?
Grabe Dich tiefer ein.
Du wirst nicht der Letzte sein.
Vom Himmel spuken die Vulkane.
Sei von Anbeginn an hier.
Begebe Dich nicht dorthin.
Überall liegt der Abfall Deiner Sehnsüchte.
Schwierigkeiten hatte er gehabt –
als er ertrank …
Sein Erstaunen war groß.
Der Abgrund riss ihn nicht hinab.
Er sprang den schönsten Tod seines Lebens.
Und wie er sich aufs Neujahrsfest gefreut hatte.
Und wie sehr hatte er sich um eine Fahrkarte bemüht.
Doch nicht aus jeder Position heraus
kannst Du ein Anführer sein.
Also stell Dich an die Wand –
dort hinter dem Laternenmast.
Singe ein Lied.
Schalte das Licht aus.
Zu zugig sollte es an dieser Stelle allerdings nicht sein.
Und nun stimmen alle Umstehenden in den fröhlichen Gesang mit ein.
Der Inhalt Deines Abfalleimers lässt Rückschlüsse auf die Schicksalsschläge Deines Lebens zu.
Sei nicht so umtriebig.
Dadurch fallen die Regentropfen.
Verschiedene Thesen sind zu diesem Thema schon aufgestellt worden.
Aber niemand hat den Pokal gewonnen.
Zu viele Breitseiten lassen das Schiff kentern.
Und die goldenen Verzierungen
wollte dann niemand mehr haben.
Begehre den Weihnachtsbaum –
er könnte Dein letzter sein.
Zufallsprodukte.
Wo sollen die denn zu finden sein?
Am Himmelsjoch ist auch schon jemand abgestiegen.
Die Wolken wurden immer dunkler.
Alles ist, bis auf Schwarz.
Zimperlich sollte es hierbei allerdings nicht zugehen.
Alle haben sich warm angezogen.
Du hast den ersten Versuch.
Überlege es Dir genau.
Niemals wieder wirst Du zu dieser Zeit an diesem Ort sein.
Stimmungen haben das ehemals weiße Porzellan grau gefärbt.
Unlust verklebt Tische und Stühle.
Traurigkeit hat die Fensterscheiben zu Tränen gerührt.
Und Zeit seines Lebens hatte er nur geträumt.
Spuren im Schnee stammten noch niemals von ihm.
Die Fäuste hat er geballt –
und ganz tief in seinem warmen Herzen vergraben.
Das Leben umfloss ihn von alters her,
spülte ihn aber nie ganz nach oben.
Barfuß und auf Zehenspitzen versuchte ich mitunter,
die höchsten Höhen zu erklimmen.
Und wie rücksichtslos haben sich mir die Nägel durch die Füße gebohrt.
Dabei hatte ich gehofft,
dass dieser geschichtsträchtige Berg mich heute schlafen lassen würde.
Die ganze Nacht hat er mir seine Geschichte erzählt.
Engel stürzen mit brennenden Flügeln
aus sturmreif geschossenen, qualmenden Wolkenschlössern.
Stürzen durch unser latentes Sein hindurch
und lassen unseren Schrecken zu Fleisch erstarren.
Alles Suchen blieb erfolglos.
Der Sturz nimmt kein Ende.
Nur noch Qualm und Gestank von verbranntem Fleisch.
Und sage mir noch einer,
dass er davon unberührt geblieben ist.
Ein herbstlich braun gefärbtes Eichenblatt
hat sich über die blutenden Wunden gelegt.
Beim letzten Ton der Zeitansage war es wie immer schon.
Alle Bücher sind verboten worden.
Verschiedene Ansichten entsprachen nicht der offiziellen Zeitansage.
Auf ein gesundes Mittelmaß wollte man sich nicht einigen.
Der Streit ging also weiter.
Und wir, die wir in Ruhe unser Brot aßen,
sahen uns plötzlich mit Geschehnissen konfrontiert,
die uns den Bissen im Halse stecken bleiben ließen.
Herausreden können wir uns nicht mehr.
Wir sitzen auf unserem elektrischen Stuhl,
den Schalter in der Hand,
und wollten es doch nur etwas wärmer haben.
Nichts kann mehr schiefgehen.
Die Blumen in der Fensterbank werden täglich begossen.
Birke vor dem Stubenfenster – tanzt im Wind.
Wirft die ersten braunen Blätter nach mir.
Der Wind winselt im Kellerfenster.
Ich lasse ihn nicht herein.
Wie sehr sich doch die Begebenheiten gleichen.
Gestern war es so – heute ist es auch so.
Zieht mich denn niemand hier heraus?
Und stellt mich bitte dort hinten ab.
Keiner will dafür die Verantwortung übernehmen.
So kann es nicht weitergehen.
Sing, einsamer Vogel, sing.
Sing ein Lied für mich.
Wir sind alleine hier.
Niemand wollte mehr länger warten.
Wo sie hingegangen sind?
Vielleicht nur um jene Ecke dort.
Vielleicht auch weiter.
Zustände, mit denen wir nichts zu tun haben,
werden eingeschmolzen und beiseitegelegt.
Für später.
Prozesse ereignen sich.
Erscheinungen kondensieren zu Gedanken.
Gedanken gefrieren zu Erinnerungen.
Erinnerungen zerbrechen das Herz.
Die Würfel sind gefallen.
Wo sind die Zahlen geblieben?
Schon wieder bleibt alles offen.
Verfeinerte Küche.
Die Speisekarte musste umgeschrieben werden.
Wie viel Gutes könnte uns geschehen.
Wie viel Schlechtes könnte uns erspart bleiben.
Zwischenzeitlich ist so allerhand passiert.
Die Seite wurde umgeschlagen.
Regen dort, wo eben noch keiner war.
Auch das scheint ein Merkmal unserer Zeit zu sein.
Etwas ist da, wo es eben noch nicht war.
Auch kann es geschehen, dass ich etwas nicht sehe, das da ist.
Schöne Gegend hier.
Müssen wir unbedingt mit dem Flugzeug überfliegen.
Zerzauste Teufelsfratze.
Wo hast Du Dich so lange ’rumgetrieben?
Niedliche, goldgelockte Engelchen gerissen?
Dich kann ich nur lieben, wenn Du nicht da bist.
Dann vermisse ich Dich.
Birke vor dem Stubenfenster.
Sonne tropft von feuchten Blättern.
Vereinzelt werden viele auf einem Haufen gesehen.
Aber sie werden auseinandergetrieben.
Der Besitzer hat sich nun um die Folgen der Erosion zu kümmern.
Damit sind wir wieder am Anfang.
Das Ende wird gerade geschrieben.
Der Verfasser ist bislang unbekannt geblieben.
Aber es ist ja auch egal.
Es gibt immer nur einen Autor.
Und das bin ich.
Es gibt nur mich.
Jede Episode Deines Lebens habe ich mir ausgedacht.
Jedes Buch, das ich gelesen habe,
habe ich selbst geschrieben.
Jeden Charakter habe ich gespielt.
Jeder Zufall ist eine umgeschlagene Seite in den Annalen meiner Geschichte.
Jedes Wunder ist das Ende eines alten und der Anfang eines neuen Kapitels.
„So ein Blödsinn“, lass ich Dich sagen.
„Du lässt mich den ganzen Kram schreiben und liest ihn auch noch
und fasst Dir mit dem Finger an die Stirn.
Du hast Dir alles ausgedacht und aufgeschrieben.“
Die Vögel zwitschern.
Andere singen.
Der Regen hat aufgehört.
Die Flugzeuge fliegen wieder.
Durch unsere Wohnungen.
Und die Leinwand wird zur Bühne.
Welch denkwürdiges Ereignis wohl gerade den Flug jener Amsel dort oben,
nein, dort weiter rechts, bestimmte?
Ich kann sie gar nicht alle aufzählen.
Wie ruhig alles geworden ist.
Totenstille.
Nur das tiefe Rauschen der Heizungsanlage – im Keller unten.
Das rhythmische Pulsieren des Blutes in meinem Kopf.
Die Vögel auf den Ästen würgen einige letzte unhörbare Töne hervor –
dann fallen sie von den Bäumen,
die sich genauso wie alles andere aufzulösen beginnen.
Niemand konnte diesen Prozess mehr aufhalten,
geschweige denn erkennen,
wo und wann er enden sollte.
Viele Gepäckstücke sind verloren gegangen.
Der Fortgang der Geschichte musste unklar bleiben.
Es blieb nichts weiter zu tun übrig,
als im Trüben zu fischen.
Parolen wurden zum Abschluss an die Wände geschmiert.
Abgewischt?
Nein, auf diesen Gedanken kam dann niemand mehr.
Im Hinterzimmer sitzt verloren,
im Lichte einer alten Petroleumlampe, der Schriftsteller.
Ein Ohrensessel umrahmt seine knöcherne, zerbrechliche, fast durchsichtige Gestalt.
Viele zeitlose Jahre sind vom Papier aufgesogen worden.
(Es war ja auch sonst nichts da.)
Und haben es gelblich braun eingefärbt.
Die leiseste Berührung lässt uns zu Staub verfallen.
Die Puppe liegt regungslos im Schnee.
Nur eine sehr gefrorene Träne
hat sich dem Schicksal jeder Trauer,
im Dunkel der Zeit zu versickern und der Vergessenheit anheimzufallen, entzogen.
Mondlicht hat sich glitzernd auf Tannenspitzen niedergelassen.
Eine Karawane zieht schwerbeladen durch den weißen Wüstensand.
Überall Tauschgeschäft.
Und was bleibt übrig unter dem Strich?
Wenn sich tatsächlich etwas verbessert haben soll,
so ist dies ohne mein Zutun geschehen.
Vergessen habe ich mich für undenkbar lange Zeiten.
Aber Anfänge werden überall wieder aufs Neue geknüpft.
So kam das Sonnenlicht in den Tag.
Vollkommen unerwartet.
Aber schön ist es.
Wie wird die Dunkelheit mit dem Licht fertig werden?
Versteinerte Skulpturen geben Auskunft über Yukatan.
Wie aber sind solche Katastrophen zu erklären?
Erbarmungsloser Druck der Zeit.
Nun sammeln sie sich wieder – zu Tausenden – auf den Überlandleitungen.
Der Zeitpunkt ihres Abfluges naht.
Warum können wir uns nicht frei in uns selbst bewegen?
Angekettet haben wir uns.
Schlagen blindwütig, mit blutüberströmtem Kopf,
gegen die von uns selbst errichteten Mauern.
Mit vereinten Kräften sind die Trümmer
jener allerletzten großen Katastrophe beiseite geräumt worden.
Viele der alten Gebäude wurden nicht wieder aufgebaut und restauriert.
Und die alten Ideen?
Die schmierig und glibberig an den Wänden klebten,
stickig und dumpf in der Luft trieben
und in fettleibigen, kaltäugigen, devoten Menschen weiterlebten,
wurden nicht zu neuem Leben erweckt.
Neue Menschen mit neuen Ideen
krochen aus dem stinkenden, überalterten Schoß
einer längst überlebten Zeit und versuchten,
auf dem Müllhaufen der Geschichte die Ewigkeit zu errichten.
Wenn die Vertreter der Parteien zu solchen doch recht
unverständlichen Problemen befragt wurden,
zogen sie es vor,
Unverständliches von sich zu geben.
Zuallererst musst Du Dich in einer feindlichen Umwelt behaupten lernen.
Dies ist schon von führenden Instituten bestätigt und beglaubigt worden.
Auch Meinungsforscher kamen zu einem ähnlichen Ergebnis.
Die Balance auf dem Hochseil zu halten,
ist nicht nur eine Frage der Menschenführung,
sondern auch der Zustände,
die sich genau an diesem Punkt überlagern.
Der Abschied fällt schwer.
Und es ist ratsam, Taschentücher in der Tasche zu haben.
Aber die bekommt man auch am Bahnhofskiosk.
Es wird für Alles und Jeden gesorgt.
Und wenn Du mal aus dem Gleichgewicht geraten solltest,
springt Dir der Nächste in die Seite.
Es ist, wie gesagt,
eine schöne, eine bezaubernde Welt geworden.
Wir können stolz darauf sein,
nicht von den einfachen Dingen in Anspruch genommen worden zu sein.
Viele Male ist der Aschenbecher ausgeleert worden.
Doch es blieb ein erfolgloses Unterfangen.
Wenn überhaupt nichts mehr funktioniert,
dann kann man den Handwerker bestellen.
Der richtet es schon.
Ein kleines, vor Dreck starrendes Kind,
kauert in der Ecke auf alten Zeitungen.
Mit aufgeblähtem Bauch und bis auf die Knochen abgemagert.
Es war wohl schon immer skelettiert.
Ein älterer Herr hat ihm das Stück Brot aus der Hand gerissen.
Natürlich war das Kind dem Zugriff vollkommen hilflos ausgeliefert-
kraftlos wie es ist.
Wenn schon die Dinge, die geschehen,
benannt werden wollen,
muss ich feststellen,
dass sich eine gewisse Form von Unoral ausgebreitet hat.
Aber reicher sind wir geworden.
Es geht allen besser.
Bei starkem regen sind die Flüsse über die Ufer getreten.
Menschen werden evakuiert.
Ich kann mich bei bestem Willen nicht daran zurückerinnern,
ob ich damals, vor vielen Jahren, mein Schulbrot eingepackt habe.
Immer wieder versuche ich mir jenen Tag
ins Gedächtnis zurückzurufen
Der Himmel klart endlich wieder auf.
Wir täten gut daran, nicht zu lange in die Sonne zu starren.
Es war so ein richtiges, opulentes Festmahl gestern.
Unendliche Gemütlichkeit.
Alle kulinarischen Köstlichkeiten dieser Welt
schienen auf unseren dampfenden Tellern eingefunden zu haben,
um unsere Gaumen zu verwöhnen.
Beliebtes Motiv!
Foto gemacht!
Und dann das Konzert.
Mozart.
Krönungsmesse.
Unvergängliche Klänge.
Überwältigende Komposition.
So wie das leben.
In allen Farben hatte ich es mir ausgemalt.
Aber niemand fand Verwendung dafür.
Ungenutzt,
manchmal verletzt,
verkümmerte es in vielen Abstellkammern.
Die bunten Schaufensterauslagen
liebkosten die Augen und rührten das Herz.
Boten sich dem Betrachter in all ihrer Pracht,
bei künstlichem Licht, dar.
Die Geschäfte hatten bereits geschlossen.
Die einbrechende Dunkelheit hat die sensorgesteuerten Beleuchtungskörper eingeschaltet.
Illumination weckt Illusion.
Das Schlusslicht der Marathonläufer
passierte gerade die Ladenzeile und verschwand dann endgültig
in der über ihn hereinbrechenden Dunkelheit.
Haben wir nicht alles menschenmögliche versucht?
Haben wir nicht immer wieder versucht diesen Standpunkt zu verlassen?
Um uns herum fangen die Wälder Feuer.
Beißender Rauch legt sich,
einem Seidenkissen gleich,
auf das Gesicht einer viel zu schönen Frau
Aber die Finger haben wir uns nicht schmutzig gemacht.
Kleine sehr bescheidene Variationen
des immer und ewig gleichen Themas,
nahmen meine ganze Konzentration in Anspruch.
Schlittschuhe habe ich mir nicht gekauft.
Gorki Park ist noch weit entfernt.
Welche Metamorphosen wollen wir uns eigentlich noch gefallen lassen?
Kommen wir niemals ans Ziel?
Wie wir mit heraushängender Zunge nach Atem ringen,
mit hervorquellenden Augen die Ferne Absuchen,
mit gebrochenem Kreuz versuchen aufrecht zu gehen,
um uns am Ende,
(welchem?),
dort wiederzufinden wo wir einst begonnen haben.
Eine schwarze Wegschnecke wäre beinahe meinen ausladenden Schritten zum Opfer gefallen.
Triumphaler Einzug der Gladiatoren in der Arena.
Die Menschenmassen auf den Tribünen
brechen in frenetische Jubelschreie aus .
Was blieb zurück?
Ein Stück Papier mit Deinen Initialen?
Dein Türschild?
Dein Personalausweis?
Nein!
Überschätze deinen Wert nicht.
Unter wolkenverhangenem Himmel,
am kleinen Weiher,
gesäumt von niedrigem Buschwerk und einigen großen Ulmen,
saß selbstvergessen,
den Spazierstock an die morsche Bank gelehnt,
jenes schlohwei0e Mütterlein.
Die Jahrhunderte haben sich tief in ihr Gesicht eingegraben.
Labyrinthen gleich,
denen selbst die Zeit nicht mehr zu entweichen vermag.
Eine Libelle tanzt vor ihr über der mit feinem Dunst überzogenen Wasseroberfläche.
Tau tropft in glitzernden Perlen von breitblättriger Bärenklaue.
Vögel jeder Stimmlage,
weben einen filigranen Klangteppich.
Auch einige Frösche vertonen ihre Existenz.
Zuwiderhandlungen werden mit nicht unter bestraft.
Also habe ich den Rasen nicht betreten.3
Angeboten wurde er mir.
Aber für nichts in der Welt,
wäre ich darauf eingegangen.
Ich bin schon mal zu spät gekommen.
Das Ergebnis wird nicht vor 24.00 Uhr bekannt gegeben.
Sonderbar- einfach hindurchgegangen.
Am anderen Ende wurde nichts gefunden.
Ohne zu fragen, bekam ich eine Antwort.
Wer soll ihn ersetzen – den Parkplatzwächter?
Es ist schön, dass Kinder träumen.
Sie sind die Seele der Welt.
Sie fliegen in Paradiese,
die für uns verloren sind,
in die uns der Zugang,
bis auf wenige Ausnahmen,
untersagt worden ist.
Die Frau an der Kinokasse,
sieht so gelangweilt aus.
Somit verlasse ich die Schlange an der Kinokasse
und stelle mich woanders an.
Es wird immer etwas gespielt.
Das Repertoire ist unerschöpflich.
Überall Bühnen, Akteure,
Dramen und Komödien.
Ich genieße es.
Wir dürfen dabei sein.
Dürfen im Rampenlicht stehen.
Applaus – Applaus.
Dafür lebe ich- dafür sterbe ich jeden Tod
der mir aufgetragen wurde zu sterben.
Leidenschaftlich, schweißgebadet,
bin ich gestorben.
Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.
Die Kosten für die Vereinigung,
werden Steuererhöhungen nach sich ziehen.
Nachtfalter verglühen im Osterfeuer
freudig
denn sie haben das Licht gefunden.
Die Gläser füllten und leerten sich.
Gemütlichkeit kehrte ein.
Und draußen versammelte sich,
unter Führung des Tambourmajors,
der Spielmannszug.
Weiße Schwäne ziehen durch wolkenloses himmelsblau.
Zur Schau gestellte Transparenz.
Nichts wird offenbart.
Da stehen sie und grölen ihre Lieder.
Tauben putzen sich ihr zerschossenes Gefieder.
Wunderbare Aneinanderreihung der Ereignisse.
Über die Gerichtetheit besteht weiterhin Unklarheit.
Den vorgegeben Rahmen wollen wir nicht verlassen.
Sonst gehen die Inhalte verloren.
Zu lange haben wir daran gearbeitet,
als dass wir uns dieser Gefahr aussetzen könnten.
Behutsam den Wurm auf den Haken gespießt.
Wir wollen keine Unmenschen sein.
Aber den Spaß lassen wir uns von Nichts und von Niemandem verbieten.
Und suchen wir nicht letztlich alle nach einem Sinn?
Haben nicht schon viele überragende Persönlichkeiten,
aller längst vergangenen Zeiten,
jenen Schatz zu bergen und uns nutzbar zu machen versucht?
Enttäuscht wurden wir allemal.
Selbst das bisher Gelesene,
konnte uns nicht so recht überzeugen.
Auch dieses Manuskript
bedarf noch einer gewissen redaktionellen Überarbeitung.
Das Rahmenprogramm wiederum steht fest.
Daran ist nicht zu rütteln.
Aber die Feinheiten.
Die Partituren, für Streicher und Flöten müssen umgeschrieben werden.
Doch, ansonsten können wir recht zufrieden sein.
Wir leben in einer friedlichen und beschaulichen Zeit.
Die Anstrengungen,
die uns abverlangt werden,
erfordern nur einen Bruchteil.
Auch die Kühe geben wieder mehr Milch.
Kinder sind unverschämt glücklich.
Wenn ich mich daran zurückerinnere.
Ich sollte es auch einmal besser haben.
Und was ist?
Schon wieder ein Loch in den Strümpfen.
Der Abwasch steht seit Tagen unberührt in der Küche herum.
Die Tomaten konnten,
wegen des frühen Kälteeinbruchs, nicht ausreifen.
Nein- beschweren will ich mich nicht.
Es hätte alles viel schlimmer kommen können.
Jedoch………………..
Selbstgefällige Zufriedenheit.
Die Butter dick aufs Brot geschmiert.
Zerwürfnisse sollten verschwiegen werden.
Martialische Schlachtrufe künden von dem Inferno.
Kein Stein bleibt auf dem anderen.
Feuersbrünste fressen sich durch Leib und Seele.
Glauben wir etwa,
alles konservieren zu können?
Alles was uns lieb und teuer ist?
Insbesondere uns selbst?
Nun liegen wir verschüttet unter Schneelawinen.
Ertrinken in den über die Kontinente flutenden Ozeanen.
Laufen als brennende Fackeln durch mondlose Nächte.
Werden verkohlt von flammenschlagenden Tanklastzügen.
Spüren unsere Knochen brechen,
unter zusammenstürzenden Betonburgen.
Stürzen schreiend in die offenen Wunden,
die wir unserer malträtierten Erde gerissen haben.
Dabei können die lauwarmen Frühlingsnächte,
am vollmondbeschienenen See,
so rührig sein.
Wenn wir zu zweit sind kommen interessante Gespräche auf.
Dann kann es schon mal vorkommen,
dass alles drunter und drüber geht.
Gelacht und gefreut,
auf die Schulter geschlagen und uns gegenseitig beglückwünscht
haben wir uns.
Die Feste haben ihren Anlass und werden herbeigesehnt.
Der Alltag kann manchmal recht trostlos sein.
Für Zeitvertreib muss gesorgt werden.
Schausteller sind Spitzenverdiener.
Entertainment ist gefragt.
Leider ist mir diese Branche von jeher verschlossen geblieben.
Bei genauerer Betrachtung
habe ich es selten vermocht,
mir etwas zu öffnen –
es sei denn die Büchse der Pandora.
Meine Zukunft wurde nicht nur von mir mit den finstersten Farben gemalt.
Aber wir sind nun mal hier.
So einfach werden wir das Feld nicht räumen.
Wie viele Jahre haben wir uns geschunden,
damit das aus uns wird,
was wir jetzt vor uns haben.
Sind wir nicht alle grandiose Persönlichkeiten?
Und wenn wir noch ins Fernsehen kommen,
müssen wir noch eine zusätzliche Maske auflegen.
Tragen wir nicht alle den bezaubernden Flair der Einmaligkeit?
Was wäre ich ohne mein Ich?
Und dann diese subversiven Träume …
Nach solchen Träumen kann ich dann noch so viel Milch
in den Kaffee geben –
er wird nicht weiß.
Aber unerschütterlich ist auch der Glaube an die Zukunft.
Den Blick immer geradeaus.
Nein, Zigeunerweisen habe ich nicht gesungen.
Meine Herkunft liegt eben so sehr im Dunkel.
Die blanke Sonne kündigt Regen an.
Und am Ende verschiebt sich der Horizont.
Salden werden gegeneinander aufgerechnet,
Flüsse begradigt und Bergkuppen abgesprengt.
Es macht keinen Sinn, der Lethargie anheimzufallen.
Immer ist Aufbruchszeit.
Es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an,
um auf den fahrenden Zug aufspringen zu können.
Sonst kommst Du unter die Räder.
Wenn dann eines Tages
all die gewohnten und Dir liebgewonnenen Dinge ihre Form verlieren,
sich gleichsam anfangen aufzulösen
und Du einsam und allein im Nichts stehen gelassen wirst,
musst Du Deinen Walkman bei Dir haben.
Wenn Du dann auch noch zufällig einen Grippevirus in Dir tragen solltest,
tue so, als wüsstest Du nichts von ihm.
Es gibt keine Situation im Leben,
der Du nicht gewachsen bist.
Der Überblick erlaubt uns,
die Welt in ihrer ganzen faszinierenden Vielschichtigkeit zu erfassen.
Wer glaubst Du eigentlich, wer Du bist?
Diese Frage muss erlaubt sein.
Auch unterwegs.
Morgens.
Beim Rasieren.
Vor dem Spiegel.
Wie sagte noch …?
Du weißt schon …
Mit allzu schnellen Urteilen sollte man vorsichtig sein.
Sie könnten den Falschen treffen.
Treffsicher in allen Lebenslagen.
Aus der Hüfte.
Zwischen die Augen.
Mittendurch.
Es gibt Amüsements genug.
Nur kümmern müssen wir uns selbst um die Versorgung.
Das nimmt uns leider noch niemand ab.
Aber der Fortschritt blüht.
Und wer weiß, welche Früchte wir am Ende dieser Dekade ernten können?
Wie verzerrt unsere Vorstellungen von der Zufälligkeit
eines in sich abgerundeten Sonnenuntergangs sind.
Moralisierende Pilger zeigen mit nackten Fingern
auf den bemoosten Wandteppich.
Verdammte Unordnung.
Vertrackte Lebenslage.
Eine Umkehr ist unmöglich.
Habe mir den Weg selbst verbaut.
Zu viele gutgemeinte Ratschläge haben wir nicht beherzigt.
Worüber wunderst Du Dich noch?
Wenn Du hören könntest,
würdest Du Dich winden unter den Lachsalven,
die auf Dich abgeschossen werden.
Zimmermädchen haben sich um Dein ganz persönliches Wohl gekümmert.
Und die Hausfrau ängstigt sich in alleingelassener Nacht.
Schmeißfliegen sind den eitrigen Wunden entschlüpft.
Wildgewordene Kinder laufen durch verlassene Städte,
auf der Suche nach ihren Eltern
und stechen sich gegenseitig die Augen aus.
Unzumutbare Verhältnisse haben sich in ihr Gegenteil verkehrt.
Dann kehrte er heim.
Der Dschungelkrieg hatte sich blatternnarbig und schwindsüchtig
in seine verdreckte, bemitleidenswerte Gestalt eingegraben.
Das Kaminfeuer zischte und fauchte.
Die wohlige Wärme trieb die Eiseskälte aus seinem gefrorenen Herzen
und ließ es, unter schneller werdenden Schlägen,
langsam auftauen.
Sein von Entbehrungen und Krankheiten gezeichnetes Gesicht,
soweit man noch von einem solchen sprechen konnte,
hellte sich im Schein der lodernden Flammen auf.
Sein ganzes Wesen schien,
gleich jener von Kindheitserinnerungen geschwängerten Holzhütte,
die er nach all diesen furchtbaren Jahren,
in denen er zum Manne gereift war und erstmals wieder betreten konnte,
vom Feuer erfasst zu werden
und strahlte für einen kurzen Moment in grellen, irisierenden Lichtern.
Das Gebälk ächzte und stöhnte.
Er ergab sich mit wollüstigem Brunstgeschrei der an ihm leckenden
und ihn mit Haut und Haaren verzehrenden Feuersbrunst.
Was habt Ihr denn erwartet?
Sind Eure Begierden nicht gestillt worden?
Liegt das denn an mir?
Nach den ersten fünf Minuten
hättet Ihr den Saal verlassen oder das Buch aus der Hand legen können.
Steinigt doch den Autoren.
Der scheut die Öffentlichkeit und die Verantwortung –
so gesehen hat es nur missmutige Gesichter gegeben.
Zuweilen erstrahlen sie bei Kerzenlicht.
Wenn der Duft von Lebkuchen und Weihnachtsbäumen,
die leergefegten, mit einem Hauch von Schnee bedeckten,
Straßen und Wege durchzieht
und hinter den mit zarten Eisblumen bewachsenen Fenstern
Kinder mit großen, erwartungsvollen Augen
dem Höhepunkt dieses Festes unter den Festen entgegenfiebern,
die sehnsüchtigen Blicke nicht von den,
all ihre Wünsche und Hoffnungen umschließenden,
mit goldenen Sternchen verzierten Geschenkkartons mehr wenden können,
dann ist es so weit für eine gemütliche Weihnachtszeit.
Exotische Samenspender sind heutzutage,
für besonders extravagante Wünsche, en vogue.
Das Angebot überschwemmt den Markt.
Der staatlich subventionierte Überschuss wurde ins Meer gespült.
Es sind lustige Geschichten,
die bei leise rauschender Brandung
am Lagerfeuer erzählt werden.
Mystiker werden von der aufgeklärten Jugend belächelt
und kategorisch als wissenschaftsfeindlich abgelehnt.
Nachdem dann auch die letzten Baumbestände,
der Papier-, Möbel- und Hamburgerindustrie zum Opfer gefallen sind,
konnten die Sägewerke dem allgemeinen Publikumsinteresse
nicht mehr verschlossen bleiben und richteten mehrmals wöchentlich
einen „Tag der offenen Tür“ ein.
Es gab Bier vom Fass,
Cola aus der Dose
und Bratwürstchen vom Holzkohlegrill,
der als Attraktion noch mit einigen,
zu Kohle verarbeiteten Restbeständen edler Hölzer beheizt wurde.
Ich werde den Anblick jenes liebenswerten Jungen nicht vergessen,
der selbstvergessen sein Kaugummi auf Fußballgröße brachte
und dann, mit einem großen Knall,
wieder in die Wirklichkeit zurückgeworfen wurde.
Jeder kennt doch diese Momente der stillen, andächtigen Beschaulichkeit,
in denen die ganze Welt einer sonnendurchfluteten Auferstehungsgeschichte,
einem gotischen Kirchenfenster gleich,
gleicht.
Große Ideen,
der Intuition entwachsen,
haben uns beflügelt und, Adlerschwingen gleich,
über die trüben Ozeane der Einfalt und Unwissenheit getragen.
Warum ist der Himmel immer noch bewölkt?
Blau sollte er sein.
So wie das Kleid jener Dame,
dort zwischen dem Blumenmuster.
Mit ein bisschen Sonne,
nicht zu viel,
mittel,
damit wir es aushalten können.
Wir wollen doch den Genuss nicht zur Qual werden lassen.
Alles muss mit Bedacht geschehen.
Niemals wollen wir uns den Reizen und Heimsuchungen unserer Umwelt
gedankenlos aussetzen.
Genießen können, ist eine Frage der Intelligenz.
Allzu viel Gewicht sollten wir dem Urteil unserer Mitmenschen
nicht beimessen.
Schließlich sind sie es doch,
die leichtfüßig und vertrauensselig,
in einem nie enden wollenden Zug,
den Lemmingen gleich,
auf den Abgrund zumarschieren und hinunterstürzen.
Ich mag sie mir gar nicht ansehen,
all die zerschmetterten und zerbrochenen Leiber.
Ihren vorwurfsvollen Blick können sie sich ersparen.
Wenn nicht ich das Gelände gekauft
und Eintritt von den Schaulustigen kassiert hätte –
jemand anderes würde es getan haben.
Fast jedes Auto kann bei regennasser Fahrbahn ins Schleudern geraten.
Umgeworfene Mühlensteine geben den Archäologen Rätsel auf.
Das niemals enden wollende Frage-und-Antwort-Spiel
nährt sich aus achtlos aus dem Fenster geworfenen Abfällen.
Es sind doch diese altbekannten Geschichten,
in denen nach dem Sinn einer auf dem Bürgersteig liegenden Bananenschale gefragt wurde und die Beteiligten
sich die Köpfe blutig schlugen,
ohne der Nachwelt endgültige Ergebnisse vorlegen zu können.
Würden wir denn gelangweilt hinter unseren Fenstern sitzen,
die Blumentöpfe beiseite geräumt,
das Kissen auf die Fensterbank gelegt,
darauf unsere Ellbogen gestützt,
die Köpfe in die Handflächen gepresst,
wenn die Lösung sozusagen auf der Straße läge?
Dem ist nicht so.
Der Zeiger der Uhr nähert sich unaufhaltsam seinem Ende.
Wir müssen noch packen.
Schon einmal sind wir stehen gelassen worden,
weil wir nicht rechtzeitig am Bahnhof waren.
Zimmerpflanzen dürsten auf der Fensterbank.
Die Ereignisse überschlugen sich.
Alles schien auf jenen nicht definierten Punkt
außerhalb unseres Wahrnehmungsvermögens hinzusteuern.
Leisere Töne wurden auf der Klaviatur unserer Evolution angeschlagen
und trotzdem geriet sie,
an ihrem historischen Tiefstand,
aus dem Gleichgewicht.
Umfangreiche Stützungsmaßnahmen konnten den
daraufhin eingeschlagenen Kurs nicht aufhalten.
Selbst eingefleischte Kenner der Szene meinten,
dass dieser Prozess irreversibel
und sein Ende nicht abzusehen sei.
So bin ich stehen geblieben,
einfach stehen geblieben
und konnte absolut nichts
gegen diesen Vorstoß,
der von innen kam, unternehmen.
Die Programmvielfalt wurde daraufhin abermals reduziert.
Sollte denn alles der Norm angepasst werden?
Warum meldet Ihr Euch nicht zu Wort?
Fühlt Ihr Euch nicht betroffen?
So konnte die Spätvorstellung vorzeitig abgebrochen werden.
Und mit zartem Schmelz auf den Zähnen
wurde das Pontifikalamt doch noch zu einer himmlischen Offenbarung.
Woher sollte der Trost denn kommen?
Noch niemals zuvor hatten wir den Zuspruch so bitter nötig wie heute.
Aber was kommt?
Immer wieder Rechnungen für Schulden,
die wir glaubten längst beglichen zu haben.
Mitten auf der grünen Wiese saßen die beiden goldgelockten Königskinder,
hielten sich bei der Hand,
sahen sich tief in ihre großen blauen Augen
und konnten sich nicht lieben.
Der schwarze Puma strich über das Feld und markierte sein Revier.
Was ist aus dem lodernden Feuer unserer Glücksschmiede geworden?
Vernachlässigt haben wir es zugunsten anderer Dinge,
die uns wichtiger erschienen.
Und nun streicht der Wind immer heftiger über die verlöschende Glut
und trägt die Asche mit sich fort.
Aber jetzt sind wir wieder alle beisammen.
Köstlichkeiten werden ausgetauscht.
Mutige Galane fordern die Damen zum Tanze auf.
Barfuß haben wir versucht, das andere Ufer zu erreichen.
Doch von dem uns das Fleisch von den Beinen reißenden,
unter der Wasseroberfläche brodelnden Getier,
haben uns die Alten nichts erzählt.
Von Stränden aus purem Goldstaub wurde uns berichtet.
Von, mit weichem, weißen Schaum bedeckten Meerjungfrauen,
die aus dem Zeugungsakt,
von dem unter den warmen Liebkosungen der erhitzten Sonne,
lustvoll stöhnenden, wellenschlagenden,
den feuchten Schoß begierig auf und ab wiegenden Ozean
geboren wurden.
Und der feine Goldstaub des Strandes
legte sich auf die mit weichem, weißen Schaum bedeckte Haut.
Ununterbrochen entstiegen sie den ans Ufer laufenden Wellen
und winkten uns zu.
Unseren Nachkommen werden wir nichts
von den furchtbaren Geschehnissen erzählen,
in deren Verlauf wir innerhalb kürzester Zeit
bis auf die Knochen zerfressen wurden
und ein sich langsam in den Fluten
auflösender Schleier aus Blut,
nur für Momente danach,
von unserem Dortgewesensein kündete.
Die Ölpreise auf den internationalen Märkten haben angezogen.
Es fehlt die starke Hand,
die dem krisengeschüttelten Land
endlich wieder zu Ruhm und Reichtum verhilft.
So sich die Geschichte wiederholt, stehen uns glorreiche Tage ins Haus.
Einzig der graue Himmel drückt die Stimmung.
Wohingegen die allgemeine Tendenz
doch auf bessere Zeiten verweist.
Aber der Zeitvertreib scheint für viele Gleichgesinnte.
zu einem Spiel mit bleiernen Bällen geworden zu sein.
Manchmal, wenn ich dann in den dunklen Schacht
aus nicht enden wollender
Zeit gefallen bin,
scheint sich meine Umgebung zu übermäßiger Größe aufzublähen.
Hinter allem überwältigend Großen
– es gibt nichts Kleines außer mir –
beäugen mich zwielichtige Gestalten,
verschwinden, Schatten gleich, bei einbrechender Dunkelheit,
wenn ich versuche, sie mit meinen Blicken zu fixieren.
Der Wind treibt das buntgefärbte Laub über die wenig befahrene Landstraße.
Hasen sind nur noch selten am Straßenrand zu sehen.
Der Winter naht und die Tage werden kürzer.
Wohin sollten wir mit uns,
wenn wir uns hier nicht mehr dulden können?
Wer will mich haben?
Jeder denkt doch,
wenn etwas verschenkt wird,
oder etwas auf dem Bürgersteig liegt und wie weggeworfen aussieht,
dass es nichts wert sein kann.
Vielleicht hätte ich das Limit höher setzen sollen.
Aber dafür ist es zu spät.
Alle gehen nun an mir vorüber.
Werfen ihre langen Schatten über mich,
rauben mir das Licht, auf das ich,
wenn auch nur bescheiden, Anspruch hatte,
schon bevor ich es in dieser Welt erblicken sollte.
Gehüllt in ewiges Dunkel,
ziehe ich also seit undenkbaren Zeiten meine Bahn und spüre,
dass auch ich eines Tages im Licht verglühen werde.
Wo sind sie geblieben, all jene nie Wiedergesehenen?
Haben sich nicht einmal verabschiedet.
Nur kurz sollte ihre Abwesenheit sein.
Nun warten wir.
Der Kaffee ist kalt geworden.
Der Kuchen hat Schimmel angesetzt.
Und uns hängt die Haut,
einem erschlafften Segel in der Flaute gleich,
alt, faltig und trocken geworden, von den Knochen.
Längst der Vergessenheit anheimgefallen geglaubte Gedanken
und Gefühle, beerdigt in den Gedärmen meines Geistes
und auch schon für ausgeschieden gehalten,
fangen an, sich mit neuem Leben zu füllen.
Wachsen, werden schwer und ziehen mich
in die abgründigsten Tiefen meines Bewusstseins.
Der Regen hört nicht mehr auf.
Eine neue Spielzeit beginnt.
Zwischenrufe haben nichts genutzt.
In Handschellen werden wir hinausgeführt
und aus der Besucherliste gestrichen.
Wie kahl die Bäume geworden sind.
Stehen nackt, in Nebel gehüllt, und frieren.
Es ist erheiternd zu sehen,
wie viel Mühe es Dich gekostet hat, mich zu finden.
Und wieder gibt es nichts Neues zu berichten.
Alle Spuren verweht?
Ausgelöscht – einfach ausgelöscht?
Was denkt Ihr Euch?
So kann keine Geschichte geschrieben werden.
Wirkungen sollten auf ihre Ursachen zurückgeführt werden.
Und nun steht Ihr da mit leeren Händen.
Zentnerweise wurde der Silberstreif am Horizont
in feinste Geschenkkartons verpackt
und mit rosa Schleifen, zu Höchstpreisen, unters Volk gebracht.
Simulanten hatten Hochkonjunktur, als der Kollaps nahte.
Muss denn also dieses Kapitel ungeschrieben bleiben,
nur weil sich niemand für zuständig erklärte?
Das Licht meines Geistes ergießt sich so lieblich warm über das Papier,
auf dass die Buchstaben von allein sprießen sollten,
wie Gras, das nach winterlichem Schlaf
von strahlender Frühlingssonne wachgeküsst wird
und den soeben noch kargen Boden
mit saftigem Grün zu überziehen beginnt.
So sollten sich die Buchstaben zu Wörtern, Sätzen,
Kapiteln und Geschichten formieren.
Seite um Seite füllend,
bis endlich das Licht meines Geistes sich in dem Papier von selbst entzündet
und mit flammenden Buchstaben vor schwarzem Firmament
die Wirklichkeit zu N I C H T S verbrennt.
Das dramatische Ende
sollte mit dieser infernalischen Vorausschau
nicht vorweggenommen werden
und ich möchte den verehrten Leser bitten,
sich noch etwas in sein spannungsgeladenes Sofa zurückzulehnen,
um dem weiteren Verlauf der Ereignisse
mit der nötigen Gelassenheit begegnen zu können.
Sollte allerdings jemand auf die Idee kommen,
den „Aufgehenden Untergang“ in den Ofen zu werfen,
so kann ich ihm versichern:
Er wird die Wahrheit niemals erfahren.
Das Finale bestreiten nämlich nur wir beide.
Auge um Auge – Zahn um Zahn.
Wenn Dein Sekundant verreist sein sollte
oder sich krankgemeldet haben sollte,
dann schreibe es Deiner eigenen Geschichte zu.
Damit habe ich dann nichts zu tun.
Das Ende rückt für jeden unaufhaltsam näher.
Wenn da noch einer geglaubt haben sollte,
dem entrinnen zu können,
wird er hiermit eines Besseren belehrt worden sein.
Und dann wieder zurück zur Natur.
Da haben wir doch angefangen.
An Zustände kann ich mich nicht zurückerinnern.
Umstände gab es einige, die mich bewegten.
Aber wie ich gerade hierher gekommen bin –
nein –
beim besten Willen, das weiß ich nicht.
Du hast mir immer noch nicht geantwortet.
Es mangelt Dir an Interesse.
Aber das gefällt mir.
Können wir den Umzug nicht auf morgen verschieben?
Wir könnten gemeinsam fernsehen und frühstücken.
Ach, Du bist schon verabredet?
Ich wollte nur das Beste für Dich.
Wer weiß, was Dich jetzt erwartet.
Schon wieder schlägt das Pendel des Schicksals zur anderen Seite aus.
Wir klatschen also wieder in die Hände,
schlagen uns auf die Schultern und gratulieren uns
zu den phänomenalen Erfolgen,
die in so kurzer Zeit erreicht worden sind.
Die gesamte einheimische Bevölkerung
konnte widerstandslos umgesiedelt werden.
Unerhörte Neuigkeiten durchstreiften das Land.
Lange vor ihrem Eintreffen wusste jeder über ihr Kommen Bescheid.
Und wir standen Spalier, um sie in unserem entlegenen Dorf
mit gebührendem Respekt empfangen zu können.
Ein Empfangskomitee wurde gebildet.
Der Festausschuss hatte große Zelte aufbauen lassen
und auf dem Spieß schmorten all unsere überkommenen Vorstellungen –
denn die Zukunft hielt Einzug.
Einige diesbezüglich versierte Damen wurden bereitgestellt,
um den Gästen in jeder Hinsicht dienstbar zu sein.
Die Etikette verlangte sogar,
dass wir uns aus dem Gesichtsfeld zu entfernen hatten.
Niemals geht es vorwärts.
Niemals werden wir hinzugezogen und befragt.
Die öffentliche Meinung ist immer die der anderen.
Dabei hatte ich so viel zu sagen – aber schon wieder alles vergessen.
Liebevoll verpackte Weihnachtsgeschenke wechseln den Besitzer
und auf einigen Rennstrecken fiebern die Piloten dem Startsignal entgegen.
Wie verhalten Du auf meine ernst gemeinte Frage reagierst.
Zeitungsausschnitte, die von unheimlichen Begegnungen künden,
zieren die Wände.
Kleine rot lackierte Flitzer kleben an den Leitplanken.
Wem nützt es, wenn ich den Fortgang der Ereignisse kommentiere?
Sie sind weg und damit haben wir uns abzufinden.
Salatschnecken suchen Zuflucht.
Die Wissenschaft konnte mit Ergebnissen aufwarten,
die keiner vorhergesehen hat, geschweige denn gewollt hätte.
Vor der Haustür wurde das bunte Laub zusammengefegt
und es ließ sich nicht vermeiden,
dass schon mal ein blinder Passagier im Heizungsraum vertrocknete.
Zielstrebig wurde das Ganze zusammengestellt.
Viele geladene Gäste zollten Beifall und die Presse kommt nicht umhin,
diesem Ereignis eine gesellschaftspolitische Dimension beizumessen.
Über das allgemeine Befinden wurde sich höflich ausgetauscht.
Es gab Leiden überall.
Jedem ging es schlechter.
Der Champagner floss in Strömen.
Denn es gab wieder so viele Anlässe, denen man nur mit einem Pommery gerecht werden konnte.
Draußen aber wird es nicht mehr so richtig kalt.
Die Bäume vor dem Fenster haben seit Tagen
den Abwurf ihrer Blätter eingestellt und kleine, hellgrüne Augen an den Ästen
scheinen nach der Frühlingssonne Ausschau zu halten.
Ja, ja. Die Welt richtet sich neu.
Den Spaten in der Hand marschieren wir ins Moor.
Der Erfolg gab uns recht.
Die tonnenschwere Last zog uns hinab.
Vorbei an halbverwesten Moorleichen.
Mumifizierte am Rande winkten uns zu.
Pfahlbauten boten uns ein letztmaliges Nachtquartier.
Die Bewirtung war freundlich, aber unaufdringlich.
Die Einwohner waren allgemein als zurückhaltend,
um nicht zu sagen reserviert, zu bezeichnen.
An Neuigkeiten schienen sie nicht sonderlich interessiert zu sein.
In der Morgendämmerung des darauffolgenden Tages
zogen wir weiter.
Wenn ich bloß wüsste, was ich vergessen habe.
Ein unbestimmtes Gefühl ließ diese Nervosität in mir aufsteigen.
Und es hatte mich noch niemals betrogen.
Etwas Entscheidendes hatte ich nicht bedacht.
Es könnte mich das Leben kosten.
Den Gashahn hatte ich zugedreht.
Das Wasser ausgestellt.
Die Herdplatte ausgemacht.
Die Kerzen ausgeblasen.
Unterwäsche eingepackt.
Thermoskanne mit Tee gefüllt.
Brote geschmiert.
Reisepass.
Geld.
Alles dabei.
Auf alle Eventualitäten bin ich vorbereitet.
Allen Schicksalsschlägen habe ich vorgebeugt.
Das Geheimnis will seinen Schleier nicht lüften.
Das Leben ist noch immer für Überraschungen gut.
Wenn die strahlende, Leben im Überfluss zeugende,
von keiner Wolke verhüllte Sonne,
errötend ob ihrer ungestümen Lebenslust,
sich vor der klaren, unterkühlten, majestätisch
sternenfunkelnden Nacht verneigt,
kehrt Ruhe ein auf unserer Welt.
Die Vorhänge werden zugezogen.
Die Kinder von der Straße geholt
und die Autos unter den erleuchteten Laternen geparkt.
Alsdann geben sich die Volksmusikanten ein Stelldichein
und auf verschiedenen Fernsehkanälen
werden wunderbare Preise gewonnen.
Ich wusste nicht, dass es so viele schöne Dinge auf dieser Welt gibt.
Dabei sein muss man allerdings.
Mitmachen muss man wollen.
Und gewinnen muss man können.
Spaß muss man haben wollen –
viel Spaß an allem.
Allgemeine Freude am Spiel und Lust an der Unterhaltung
ist zur Bürgerpflicht geworden.
Aber ich glaube,
dass uns dies per se doch mit in die Wiege gelegt worden ist.
Es gehört zum Überleben einfach dazu.
Und was sagst Du?
Wo kämen wir auch hin, wenn jeder nach eigenem Gutdünken
sich seiner annehmen würde.
Wir können dem Absoluten doch nicht einfach seine Kompetenz absprechen.
Abgesehen davon konnte keiner der ewigen Nörgler,
die mittlerweile zu Recht
in psychiatrischen Anstalten untergebracht worden sind,
mit Alternativen aufwarten.
Die Teppiche sind faltenlos in unseren Wohnzimmern ausgelegt.
Die ausgesuchten Vorhangstoffe passen zur weinroten Sitzgarnitur.
Alle Differenzen sind bereinigt worden.
Hochstimmung herrscht auch an der Börse.
Um die Ecke kommt, gebeugt,
schwankenden Schrittes,
der Nichtsesshafte.
Sein Kumpan wurde im letzten Frühjahr
von der warmen Frühlingssonne aus dem Schnee getaut.
Ein halbes Jahr hatte er unter den Schneemassen zugebracht.
Nun ist er wieder da und fast überhaupt nicht gealtert.
Die Flasche in seiner Hand war fast leer.
Vorbei an wechselnden Jahreszeiten,
erreichen wir alle einmal unser Ziel.
Welches Ziel ich mir gesteckt habe?
Sehr indiskret, diese Frage und schwer zu beantworten.
Jenes anfänglich schwer zu fassende,
sich doch mit der Zeit als recht lukrativ gestaltende Unternehmen,
war dazu in der Lage, meine Sinne zu befriedigen.
Ich soll schon immer unbescheiden gewesen sein?
Solche Behauptungen entbehren jedweder Grundlage
und dienen nur dazu, meine Reputation zu erschüttern.
Chromblitzende Boliden erfüllten alle meine Sehnsüchte.
Illegale kamen ins Land und wurden um all ihre Hoffnungen betrogen.
Als wir noch Kinder waren,
haben wir die „Reise nach Jerusalem“ gespielt.
Einer fiel immer aus dem Spiel heraus.
Er hat an Überzeugungskraft gewonnen.
Vorbei sind Skepsis und Überdruss.
Zupacken zur rechten Zeit.
Verpasse Deine Chancen nicht.
Wenn Du nicht zur Stelle bist,
fällst Du hinten herunter und keiner wird da sein, um Dich aufzufangen.
Das macht nichts, sagst Du.
Wir sind immer gefallen, sagst Du, fast auf jeder Seite.
Dein Zynismus wird Dir noch mal das Rückgrat brechen.
Mag sein, dass Du immer fällst,
weil Du immer über Deine eigenen Füße stolperst.
Aufrecht, mit geradem Kreuz kamen wir daher
und die Zeiten, da wir von den Bäumen gesprungen
und auf allen Vieren über die Savannen flüchteten,
haben wir aus unserem Gedächtnis gestrichen.
Wir lehnen jeden Bezug ab.
Einmal den Fuß auf die Erde gesetzt, meinen wir,
jeder so vermessene Quadratmeter sei unser Eigentum.
Glauben wir denn allen Ernstes daran,
jemals irgendetwas festhalten zu können?
Nichts ist da, was wir behalten können.
Alles entgleitet uns fortwährend,
so wie die Wolken am Himmel mit nichts zu messende,
sofort wieder verwehende Formen bilden,
um sich dann ganz aufzulösen.
Selbst unser eigenes Sein hat keine Beständigkeit.
Es gibt nichts, das jetzt noch so ist,
wie es eben noch zu sein schien.
Spüre, wie Du stirbst.
Jeden Augenblick.
Spüre, wie Du geboren wirst.
Jeden Augenblick.
Und in diesem permanenten Werden und Vergehen
bauen wir unsere Hi-Fi-Türme um uns herum auf,
die unvergängliche Melodien übertragen,
konservieren die Lacke unserer Autos,
träumen von ewiger Liebe,
suchen dauerhaftes Glück,
packen unsere feste DM auf Sparkonten,
auf dass sie mehr und nicht weniger werde.
Stehen vor dem Spiegel und erfreuen uns unserer ewigen Jugend.
Zeitlos schönes Interieur lädt zu unvergesslich schönen Stunden
in unseren Penthouses ein.
Unsterbliche Meister zieren die Wände
und unendliche Langeweile legt sich, wie ein dunkler Schatten,
auf unsere Seelen.
Grenzen haben wir überall gezogen,
damit die Veränderungen, die überall um uns herum stattfinden,
von uns ferngehalten werden.
Da stehst Du in der Tür,
mit Sonderangeboten in prachtvoll gefüllten Plastiktüten.
Köstliche Pralinen zum halben Preis,
wegen abgelaufenen Haltbarkeitsdatums,
Schokolade, aus minimal radioaktiv verstrahltem Milchpulver hergestellt –
für fast geschenkt.
Gut, dass wir informiert sind:
Sonst würden all diese preiswerten Genüsse
bestimmt zum üblichen Marktpreis,
wie er für unverstrahlte Produkte verlangt wird, verkauft werden.
Angesichts dieser Gaumenfreuden
läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
Landesweit verbreiteter Aberglauben
veranlasste die Friedhofsgärtner dazu,
sich vor den unvermutet den Gräbern entsteigenden,
längst für tot Geglaubten, zu bekreuzigen.
Rauchschwalben schießen Pfeilen gleich in den Abendhimmel.
Vereinsamte Katzen streunen abgemagert durch die Straßenschluchten,
immer auf der Suche nach etwas Fressbarem.
Unbändiges Verlangen trieb die Fischer
in stürmischer Nacht
auf das offene Meer.
Ich tat einige Schritte vor die Tür.
Kalt ist es geworden.
Die ersten Bodenfröste haben die Dahlien
schmierig braun werden lassen.
Wohltuend frisch durchströmt spätherbstlicher Odem meine Lungen
und ein warmes Gefühl breitet sich im ganzen Körper aus.
Einige der nicht in den Süden geflohenen Stare,
die wohl hier zu überwintern gedenken,
sitzen auf der Hochspannungsleitung,
schlagen wild mit den Flügeln
und reiben sich zeternd die Schnäbel an dem Kabel, auf dem sie sitzen.
Zahlenmäßig waren die Einen den Anderen überlegen.
Kurz darauf brach der Notenständer
unter der Last der Noten zusammen.
Die Gerüchte verdichteten sich zu Halbwahrheiten.
Die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen
konnte allerdings nicht wiederhergestellt werden.
Kleine Kinder nutzen die kurzen Momente,
in denen die Mittagssonne ungehindert durch die kahlen Wipfel schien,
um die bunten Blätter, die vom Herbstwind
vor ihnen hergetrieben wurden,
zu jagen und, wenn möglich, unter freudigem Jauchzen einzufangen.
Immer weiter entfernte sich der junge, blauäugige Prinz von der Jagdgesellschaft.
Die Liebe zu der rothaarigen, märchenhaft schönen Stieftochter,
die in Wirklichkeit eine Königstochter war
und die niedersten Tätigkeiten für die böse Stiefmutter,
von der so oft die Rede ist, verrichten musste,
ließ ihn alle Verpflichtungen, denen ein Spross so edler Herkunft
und Geblüts nachzukommen hatte, vergessen.
Raubkatzen lauerten hinter jedem Strauch.
Diebe und Wegelagerer hinderten ihn am Weiterkommen.
Unter Zuhilfenahme jenes legendären Schwertes,
von dem es schon in den uralten Mythen,
die schon seit Menschengedenken
von Generation zu Generation getragen wurden, heißt,
dass es aus den Erzen ferner Sterne gewonnen,
vom heißen Atem des sich durch die Galaxien
windenden Drachens geschmolzen
und unter dem Amboss des Weltenschöpfers geschmiedet worden sei,
schlug er sich den Weg frei zu jener,
seine Sinne betäubenden, ihn sehnsüchtig erwartenden Jungfrau.
Zwerchfell erschütterndes Lachen drang aus dem Badezimmer.
Einer der Gäste muss auf der Seife ausgerutscht sein.
Seltsam, dass alles so unrhythmisch und disharmonisch ist.
Gerade noch war ich geneigt zu glauben,
die Welt würde sich im Takte
eines für uns nicht wahrnehmbaren Metronoms formen und bewegen
und schon stolpere ich über die mangelnde Metrik
in den von mir formulierten Sätzen.
Entweder die Welt passt sich meinem holprigen Rhythmus an,
oder aber ich muss mir die Warnung zu Herzen nehmen,
mich nicht am Pulsschlag unserer Zeit zu orientieren.
Es finden sich doch immer wieder irgendwelche Nichtigkeiten,
die mir, ob der besonderen Aufmerksamkeit,
die ich ihnen zuteil werden lasse,
über den Kopf zu wachsen drohen.
Meisterhaft, wie das Problem behoben wurde.
Lehrlingen kann man solche Aufgaben einfach nicht anvertrauen.
Am Beginn Deiner Entwicklung weißt Du nicht,
wohin Dich das Schicksal verschlagen wird.
Wenn Du dann aber zu fortgeschrittener Stunde
den Tag Revue passieren lässt,
stellst Du fest, dass Dich die Zeit rücksichtslos verschlungen hat
und Dir nicht eine Sekunde geschenkt wurde.
Ein Lebkuchenherz habe ich mir auf dem Jahrmarkt gekauft
und es mir um den Hals gehängt.
Nun hängt es im Schlafzimmer über dem Bett.
„Ich denke an Dich“
steht darauf.
Rote Rosen aus Zuckerguss zieren diese an mich gerichteten Worte.
Viele Stunden am Tage verbringe ich versunken vor diesem Herz und lese.
Ich denke an Dich“
Kein Buch ist mir seitdem mehr etwas wert.
Alles auf dieser ehemals so liebreizenden Welt geriet ins Abseits,
verlor zunehmend an Bedeutung,
bis am Ende nur noch wir beide,
DU, das mit Zuckerguss beschriebene Lebkuchenherz,
das mir schweigend bekundet, dass es an mich denkt,
und ich, der Dich auf Knien anbetend zum Fressen gern habe.
Herbststürme und Schauerböen sollen laut Wetterbericht
die kommenden Tage das Wetter gestalten.
Die strahlende Sonne,
die mir jetzt auf Gesicht und auf das Papier scheint,
wird sich mit diesen schönen Stunden wohl vorerst verabschieden.
Scheint sie hier nicht, scheint sie woanders.
Ich werde Dir nicht hinterherlaufen.
In Palma de Mallorca sollen noch 21 Grad Celsius herrschen.
Und auf Ibiza wird die Sau rausgelassen.
Es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen.
Weltweit soll in den nächsten Jahren das Thermometer ansteigen.
Palmen, unter denen ich liegen werde,
dürften dann in Schleswig-Holstein zum gewohnten Bild gehören.
Auch der Meeresspiegel soll steigen.
Vielleicht haben wir Glück,
unverhofft Besitzer einer kleinen subtropischen Insel zu werden,
auf der dann die Fortsetzung vom „Aufgehenden Untergang“ ins Reine geschrieben werden kann.
Denn ich denke, dass auch weiterhin Berichtenswertes
mein Engagement erfordern wird,
da aus unseren bisherigen Betrachtungen zu resümieren ist,
dass alles sich verändert und nichts bleibt, wie es ist!
Diese Lektion haben wir bereits gelernt.
Auf der Suche nach mehr Tiefgang
bin ich unvermittelt über den Quastenflosser
der deutschen Grammatik gestolpert.
Schon seit langem für ausgestorben gehalten,
taucht er wieder auf.
Literaturwissenschaftler raufen sich die Haare
und fühlen sich in die Zeiten der Sprachlosigkeit zurückversetzt.
Kritiker fassten sich nur noch vielsagend an den Kopf –
aber keiner sprach mehr ein Wort.
Alle meldeten sich ab
und ließen mich mit diesem urzeitlichen Monstrum allein.
In Windeseile hatten sie ihre Koffer gepackt,
um den erstbesten Zug nach Nirgendwo zu nehmen.
Sie stieß die Tür auf zu meinem Abteil.
Ihre liebreizende Erscheinung hat mich den Inhalt
der zuletzt gelesenen 173 Seiten total vergessen lassen.
Ihr betörender Duft
ließ mich automatisch und ungefragt die Fenster schließen.
Einem Staubsauger gleich
fing ich an, die von ihrem Parfum geschwängerte Luft
in mich aufzusaugen.
Das Angebot, meinen Platz für sie freizumachen,
war vollkommen überflüssig
und wurde mit einem unverbindlichen Lächeln quittiert,
denn nur wir beide waren Gäste in diesem Abteil.
Nicht einmal angesehen hast Du mich,
als Du Dich auf die gegenüberliegende Bank setztest.
Wie verrückt war ich danach,
in der Glut Deiner feurigen schwarzen Augen dahinzuschmelzen.
Ich folgte mit meinen Blicken Deinen langen Beinen.
Angefangen von Deinen zarten Füßen, die von hochhackigen Wildlederstiefeln umschmeichelt wurden
und sich, wie von Künstlerhand modelliert,
an Deine schmalen Fesseln und schlanken Waden schmiegten,
um erst knapp oberhalb Deiner eleganten Knie
den Blick freizugeben für Deine strammen,
mit einem Hauch von Netz verzierten Oberschenkel.
Strapse ließen sich erahnen.
Was dann folgte, war die Idee eines schwarzledernen Minirocks,
der straff die nächsten Zentimeter meiner Reise begleitete.
Alle meine Sinne hatten sich inzwischen
meinem Aufstieg angeschlossen.
Jeder versuchte, die Führung zu übernehmen.
Aber die eingetretene Konfusion
ließ eine systematische, im Geiste stattfindende Besteigung
des sich in greifbarer Nähe befindlichen Venushügels unmöglich erscheinen.
Und nur von dieser höchsten Erhebung aus
konnte der Einlass in das wollüstig ersehnte Paradies erreicht werden.
Jeder meiner Sinne übermittelte mir Eindrücke und Reize in nicht gekannter Hülle und Fülle.
Die Sinnenflut schien mich gar ersticken zu wollen.
Die Schmerzen in meiner Brust nahmen zu,
mein Atem wurde schnell und flach,
kraft seiner Autorität versuchte mein Gehirn, die Besteigung
durch Koordination der Sinne doch noch zu ermöglichen.
Und als wir dann endlich den Hügel erklommen hatten
und nur noch durch die Pforten, sprich einen kleinen hauchdünnen Tangaslip,
vom Paradies getrennt zu sein glaubten,
stellten wir fest,
dass keine Pforten den Zugang zum Paradies verwehrten.
Ohne Slip, warm und feucht,
saßt Du mir gegenüber,
offen,
mit all Deiner prachtvoll zur Schau gestellten Fraulichkeit.
Ein kurzes Aufbäumen –
ein verkrampfter Griff ans Herz,
ein letztes Röcheln …
Speichel trat aus meinem Mund.
Meine Sinne hatten der Reizüberflutung nicht standhalten können.
Und nun stehen wir hier.
Konfus und unkoordiniert versuchen wir, unserer Empörung darüber Ausdruck zu verleihen,
dass uns die Pforten zum Paradies für immer verschlossen bleiben.
Alle jene, die geglaubt haben,
auf das Glück abonniert zu sein,
erlitten Rückschläge.
Weiß gewandete Ministranten fischten die toten Kakerlaken
aus dem Weihwasser
und die Raketenabschussbasen wurden weiter vorverlegt.
Der Präventivschlag hat sich um zwei Tage verzögert,
da auf der gegnerischen Seite die trauernde Bevölkerung
ihr Defilee am einbalsamierten Leichnam
des erst vor Kurzem verstorbenen Friedensnobelpreisträgers
und Staatspräsidenten noch nicht beendet hatte.
Mitten in das Geschehen hinein
trat die stolze Mutter mit ihrem Kinde auf dem Arm.
Sterne leuchteten wie noch niemals zuvor
und ein jeder versuchte den anderen
an Leuchtkraft übertreffen zu wollen.
Sternschnuppen mit langem Schweif
schienen in ihrer Bewegung innehalten zu wollen.
Die Zeichen mehrten sich.
Es musste ein besonderes Kind sein,
das nun von seiner Mutter ins Heu gebettet wurde
und um das herum sich alle Tiere
in verklärter Schweigsamkeit versammelten.
Kühe, Enten, Fische, Zebras, Elefanten, Esel,
Katzen und Hunde waren da.
Drei heilige Könige stellten sich ein.
Mit Geschenken überladen,
um dem Kindelein zu huldigen.
In der Tat –
es musste ein besonderes Kind sein.
Wie es dalag,
mit seinem hochroten Kopf,
seinen feurigen Augen,
seinem kräftigen Biss,
bei dem jeder König,
der nicht rechtzeitig den Finger von seinen glühenden Lippen nahm,
um seine messerscharfen, metallisch blitzenden Zähne zu bewundern,
eben jenes Fingers verlustig ging.
Gleichwohl unangenehmer war es,
wenn ältere Damen,
in plötzlich aufwallender Erinnerung an ihre eigene,
lange zurückliegende Mutterschaft,
von zärtlicher Empfindung für das Kind befallen,
sich zu weit mit ihrem ergrauten Kopfe vorwagten.
Auch in diesem Fall konnten sich unsere hinlänglich bekannten Mahner nicht zurückhalten und drängten,
mit erhobenen Zeigefingern,
nach vorne ins Rampenlicht.
Sie meinten diesmal, für eine freie, ungehinderte Entwicklung des Ungeborenen und insbesondere des Neugeborenen
eine Lanze brechen zu müssen.
Zum Luftholen hattest Du keine Zeit mehr,
denn sie war abgelaufen.
Fast alles blieb unerledigt zurück.
Lange noch werden wir Deiner gedenken müssen.
Aber so warst Du immer.
Unzuverlässig bis zum Gehtnichtmehr.
Selbst auf Dein unvermitteltes Ableben hast Du niemanden vorbereitet.
Seit Stunden schon tränkt der dunkle, wolkenverhangene Himmel
der Mutter Erde dürstenden Schoß.
Diesen wunderbaren Satz schreibe ich im Spätherbst,
obwohl er für den Sommer,
nach einer wochenlangen Dürreperiode gedacht ist.
Bis dahin werde ich ihn jedoch schon längst wieder vergessen haben.
Ich bitte den verehrten Leser,
der sich in meine herbstliche Stimmungslage zu versetzen
in der Lage gewesen ist,
dies womöglich den bislang gelesenen Zeilen entnehmen konnte,
sich nur für einen Moment eine wochenlange Dürreperiode im Sommer
vorzustellen, um dann den Satz zu lesen:
„Seit Stunden schon tränkt der dunkle, wolkenverhangene Himmel
der Mutter Erde dürstenden Schoß.“
So, das tat gut.
Nun fühlen wir uns besser.
Des fallenden Regens gewahr werdend,
trat die Dame zurück ins Haus, um alsdann mit aufgespanntem Regenschirm
ihre Einkäufe zu tätigen.
Wenn Du nicht rechtzeitig genug aushärtest,
wirst Du weich geklopft und formlos gemacht.
Das Ticken der Nachttischuhr erfüllte,
Kirchenglocken am Sonntagmorgen gleich,
die lautlose Stille.
Ich liege im Bett, seit gerade eben erst und wünsche mir nichts sehnlicher als Schlaf.
Ich duckte mich unter der Wucht ihrer Schläge,
krümmte mich, formte mich mit jedem weiteren Schlage zu jeder Seite hin aus
und brauchte keinen Vergleich mehr mit dem Glöckner von Notre Dame zu scheuen.
Mittlerweile scheinen die Glocken direkt in der Kuppel meines Schädels aufgehängt worden zu sein.
Mein entstellter Kopf wird weit auf die nach oben gezogene linke Schulter
und von dort wieder auf die weit nach unten hängende rechte Schulter geschlagen.
Zudem erzeugt das dröhnende Ticken der Nachttischuhr in meinem Kopf ein Echo,
das nicht leiser, sondern lauter werdend, in diesem zu kreisen beginnt.
Dieses Echo wiederum erzeugt ebenfalls eine echoerzeugende Klangfigur,
welche nicht leiser, sondern lauter werdend,
in meinem armen Kopfe zu kreisen beginnt.
Dieses Echo, das aus dem Echo eines Echos,
welches aus dem dröhnenden Ticken meiner Nachttischuhr entstand,
erzeugt wiederum eine echoerzeugende Klangfigur,
die nicht leiser, sondern lauter werdend,
in meinem armen Kopfe zu kreisen beginnt.
Dieses Echo, das aus dem Echo eines Echos, welches wiederum aus dem Echo des dröhnenden Tickens meiner Nachttischuhr entstanden ist,
erzeugt wiederum eine echoerzeugende Klangfigur,
die nicht leiser, sondern lauter werdend,
in meinem armen Kopfe zu kreisen beginnt.
Dieses Echo, das aus dem Echo …
Der Fortgang dieses Abenteuers muss der Leser bei sich selbst suchen.
Bei mir jedenfalls steigerte sich das Ticken der Nachttischuhr zu einem
infernalischen Crescendo,
auf dessen Höhepunkt sich alle meine gewohnten Wahrnehmungsmuster aufzulösen begannen.
Ich versuchte, die Hände gegen meine Ohren zu pressen.
Kein Widerstand bot sich ihnen.
Keine Ohren.
Kein Kopf.
Reinweg nichts war da, was natürlicherweise hätte da sein sollen –
bis auf die aufeinander zustrebenden Handflächen,
die mit der ganzen Kraft, die ich ihnen zugedacht hatte,
aufeinanderprallten.
Dies war dann das Ende.
Die Nachbarn kamen, um sich über die Ursachen des Lärms zu erkundigen
und um sich über den Fortbestand gutnachbarschaftlicher Beziehungen auszutauschen.
Der gemeinsame Wochenendausflug wurde dann aus der Vereinskasse bezahlt.
Lautlos huschten die schwarzen Geschwader durch die lauen Lüfte
dem Horizont entgegen.
Gleißende Blitze aus ihren Bordkanonen schleudernd,
wird jeder auch noch so weit entfernt liegende, feindliche Gedanke eliminiert.
Der Himmel über der blutrot geäderten,
in irisierenden Farben gesäumten Wolkendecke,
scheint die freiwerdenden Energien
der unter ihr stattfindenden Schlacht aufzusaugen
und sich mit ihnen aufzuladen,
denn er fängt weiß leuchtend zu pulsieren an.
Was sich dann anfänglich wie ein Wetterleuchten ankündigte,
sich sodann zu Polarlichtern steigerte,
die über Nord nach Süd gleichzeitig aufflammten
und das ganze Firmament in ein atmendes Meer
aus irisierenden Farben verwandelten,
erreichte seinen Höhepunkt mit einer die Wolkendecke aufreißenden,
die schwarzen, Blitze schleudernden Geschwader verschlingenden,
alles in ein blendend grelles Licht tauchenden Explosion.
Nichts war mehr wie es vorher war.
Dem Frühstücksei wurde angesichts dieser Ereignisse
die ihm gebührende Aufmerksamkeit entzogen.
Als dann der Hausherr seine Gelüste
seinem weichen Inneren zuwenden wollte, war es hart.
Dies hatte dann, wie es üblich und nicht anders sein kann,
das Herbeizitieren der Dame des Hauses zur Folge.
Und endlich war es wieder so weit,
und beide waren sie bereit,
für den lang herbeigesehnten Streit.
Somit verläuft alles den Erwartungen und Wünschen gemäß,
derweil das Kind, die Puderdose in der Hand,
das weiße Puder auf den schwarzen Teppich pudert.
Der Mann am Kassenschalter hatte vergessen,
sich die Zahnpastaspuren aus dem Gesicht zu waschen.
Salbungsvolle Worte wechselten die Besitzer
und die sensationell schicke Herbstmode
ließ den Dauerregen vergessen.
Zweifelsfrei konnte nunmehr
durch das endlich dem Gericht vorliegende Gutachten
geklärt werden, dass der Angeklagte nicht durch Selbsttötung,
sondern meuchlerischerweise rücklings ums Leben gekommen ist.
Somit konnte die erwiesenermaßen nicht beachtete,
aber vorgeschriebene Reinhaltung öffentlicher Bedürfnisanstalten
mit einem alle Zweifel ausräumenden Schuldspruch gesühnt werden.
Die zivilisierte Menschheit sah sich tagtäglich
einer immer größer werdenden Zahl von natürlichen Feinden gegenüber,
deren einzige Funktion nur darin zu bestehen schien,
uns das Überleben auf diesem Planeten unmöglich zu machen
und uns die Krone der Schöpfung abzujagen.
Waren es im Morgengrauen unserer Entwicklung
Bären, Säbelzahntiger, Mammuts, Dinosaurier, feuerspeiende Vulkane,
ascheregnende Himmel, Kontinente überflutende Ozeane,
zürnende Götter in ihrem himmelwärts ragenden, wolkenverhangenen Pantheon,
so sind es heute Speisefische,
die sich mit immer mehr Dioxinen und Schwermetallen belasten,
Speisekühe, die sich mit Viren infizieren,
die Gehirntod zur Folge haben und nicht davor zurückschrecken,
diesen Virus an unschuldige Speiselämmer weiterzugeben.
Ist es der Natur bisher noch nicht gelungen, unseren Feldzug,
den wir nun schon seit Jahrmillionen
erfolgreich gegen sie geführt haben, aufzuhalten,
scheint sie uns nun mit einer unserer erfolgreichsten eigenen Waffen schlagen zu wollen:
Sie schickt uns sozusagen alle Arten trojanischer „Pferde“,
wohl wissend, dass alles, was kreucht und fleucht,
irgendwann einmal in unseren Töpfen und Pfannen landet
und wir dann so von innen heraus kampfunfähig gemacht werden.
Und die Luft, die Schwefeldioxyd aufsaugt wie ein Schwamm
und den Pflanzen ein ungehindertes Wachstum unmöglich macht,
sowie die Meere, die all den Dreck nicht auf dem Meeresboden
belassen wollen (wo er gut aufgehoben wäre),
ihn ungefragt wieder an unsere ehemals so blühenden Küsten spülen
und diese verdrecken.
Ach, es ließen sich Beispiele ohne Ende anführen,
wie z. B. Kernkraftwerke, die auch nicht halten, was sie versprochen haben,
oder auch die in die Erdumlaufbahn geschossenen Satelliten,
die nicht Bahn halten können und uns zu erschlagen drohen.
Ja, die Menschheit kommt nicht zur Ruhe.
Immer wieder stellt uns dieses feindliche Universum,
das überall um uns herum lauert,
vor ungeahnte Schwierigkeiten,
um uns endgültig in die Knie zu zwingen,
um die gefühllose Materie über den menschlichen Verstand
triumphieren zu lassen.
Aber zum Schluss werden die Toten gezählt
und die Evolution wird später in ihren Analen festzuhalten haben, wer den Kampf zu seinen Gunsten entscheiden konnte:
Das Universum oder wir!
Zeige mir den Anfang, dann zeige ich Dir das Ende.
Leise und wortlos standen wir uns gegenüber.
Wie werden wir uns entscheiden?
Die Zeichen stehen auf Sturm.
Warum zieht Ihr Euch zurück?
Eigenwillig soll ich gewesen sein?
Es mangelte Euch an Überzeugungskraft.
Bisweilen zermartere ich mir das Hirn,
aber die allererste,
die ursprüngliche, alles in Bewegung setzende Initialzündung
wollte sich mir nicht mehr ins Gedächtnis zurückrufen lassen.
Mancher hat sich schon dafür verantwortlich erklärt,
aber für die Folgen kam dann niemand mehr auf.
Nun stehe ich hier alleine und sehne mich nach neuen Gedanken.
Dunkel ist es in mir geworden
und über mir haben die Sterne,
wie in jeder wolkenlosen Nacht,
die ihnen zugewiesenen Plätze eingenommen.
Manchmal siehst Du,
wenn Du Dich anstrengst,
einige kleine Sterne,
die bei der allabendlichen Aufstellung ihren Standort vergessen zu haben scheinen,
um dann leicht verwirrt, mal hierhin, mal dorthin zu wandern,
in der Hoffnung, irgendwann einmal Freunde zu treffen,
die ihnen Orientierungshilfe geben können.
Meist hat dann doch noch jeder vor Tagesanbruch
seine Position eingenommen
und fängt dann so richtig vor Freude zu strahlen an.
Einige Sternchen jedoch
scheinen überhaupt keine Lust mehr zu verspüren,
allabendlich dort oben in kalter Nacht zu prangen.
Sie springen hinab zu uns.
Mit leuchtendem Schweif tauchen sie hinab in unsere Welt,
um sich hier in die Wiegen neugeborener Menschenkinder zu legen.
Am nächsten Morgen dann
treten Mütter an die Wiegen,
um dann nichts ahnend
die neugeborenen Sternenkinder an die Brust zu legen.
Was gibt es noch zu berichten?
Wo sind wichtige Dinge der Vergessenheit anheimgefallen?
Wer kann sich ein Bild machen
von all dem Grauen,
dem einige Menschen begegnen?
Gewissenlose Geschäftemacher
lassen so viele der gutgläubigen,
lebensfrohen Bewohner jenes kleinen Städtchens,
das weit abseits im sumpfigen Teil des Flussdeltas,
fernab der großen Routen der Handelskarawanen gelegen ist,
zu mittellosen, verbitterten und verzweifelten Menschen werden.
Viele Vogelarten der nördlichen Hemisphäre
finden sich hier Jahr für Jahr wieder ein,
um bei gefälligen Temperaturen
und einem überreichlichen Nahrungsangebot
hier den Winter zu verbringen.
Ungewöhnliche Dinge passierten selten.
Etwas niedergeschlagen hing der Mittelklasseboxer in den Seilen.
Der Abwasch ist liegen geblieben
und alleingelassene Hunde und Katzen
warten an der Autobahn.
Beispielhaft schöne und zufriedene Gesichter
schauen uns aus dem hochglanzlackierten Modejournal an.
Miteinander verschlungene Körper
versuchten das neue Lebensgefühl zu vermitteln
und Philosophen klagten über die Maßlosigkeit,
mit der ihr Ansehen
in den besonders dafür empfänglichen Bevölkerungsschichten
zu sinken begann.
Von Zukunftsängsten geplagt
ersuchten die Teilnehmer des soundsovielten „Futurologischen Kongresses“
um politisches Asyl.
Das Plusquamperfekt war ausgebucht
und die Vergangenheit ist überwältigt worden.
Sie hatte sich von den Blessuren,
die ihr dabei zugefügt wurden,
nicht mehr erholen können
und auch die kosmetischen Operationen
konnten nicht mehr über ihr baldiges Dahinscheiden hinwegtäuschen.
Die Gegenwart wiederum ist noch zu wenig belastet,
um im Dunkel der Geschichte zu versinken.
So blieb vorerst alles beim Alten.
Neues kündigt sich mit Sturmgeläut an Deiner Haustür an.
Doch sollte nach einbrechender Dunkelheit,
jeder sich noch so wichtig und eilig gebärdende Bote,
kritisch beäugt werden.
Der Geldbriefträger ist auf die Straße geworfen wurden,
als die tägliche Inflationsrate die 1ooo% Grenze überschritten hatte.
Verschleierte Eulen wohnten der Beisetzung
im höchsten Wipfel der Trauerweide bei.
Sieh an, da ist es wieder vor dir aufgetaucht,
berührt hat es dich fast und du willst wieder nichts gesehen haben.
Meine Zustimmung zu dem geplanten Vorhaben kann ich nicht geben.
Alle Schüler brauchen eine von den Eltern beglaubigte Abwesenheitserklärung.
Zweimal sah ich die Knie unter mir zersplittern.
Beim dritten Male dann,
wurde ich von Fernweh gepackt.
Vorbei sind Trübsal und Schwere Not.
Der Sonderbeauftragte überbrachte Nachrichten
vom kommenden Tag,
woraufhin die Geschäfte bis auf weiteres geschlossen blieben.
Zertretene Puppenleiber fanden im letzten Moment Zuflucht im Puppenhaus.
Die Kinder hämmerten mit wutverzerrten Gesichtern an die Eingangstür.
Meisen picken Larven und Käfer aus den Fugen.
Unter der Regenrinne saß eine große Spinne.
Die Katze streunt durch das Unterholz.
Spatzen umflattern sie schimpfend.
Der Zeitpunkt versinkt in sich selbst.
Dimensionslosigkeit breitet sich aus.
Keine Träne konnte ich mir aus den Augen wischen,
als die Wogen über mir zusammenbrachen.
Selbstversunken verbrachte der Anfang seine Zeit,
ohne sich von der Ungeduld des Publikums,
auch nur für einen Augenblick,
aus der Ruhe bringen zu lassen.
Als er sich dann endlich bequemte in das Geschehen einzugreifen,
war selbst der Schlussakkord schon längst in den Untiefen
einer anfangslosen Zeit verhallt.
Die Sonnenfinsternis begleitete das Mondspektakel.
Vor Tagesanbruch trennten sie sich.
Abgeschiedenheit hatte die Einsamkeit erhöht
Sittengemälde beflügelten die Phantasie
der vorwiegend jugendlichen Besucher
Sinngemäß steuerte er eine Frage bei.
Vorbei waren Ressentiments und Ablehnung.
Das Erstaunen war groß,
denn mit diesem Zuspruch hatte niemand gerechnet.
Sonderbarerweise verließen die Züge die Bahnhöfe nicht mehr,
so dass die immer wieder beschworene Einigkeit
einer außergewöhnlichen Belastungsprobe ausgesetzt wurde.
Die Wasser stiegen , während sich der Himmel verdunkelte.
Zinnoberrote Blitze zündeten die brodelnden Vulkane.
Kinder schrieen und Kühe auf der Wiese.
Das Laub fiel und erreichte die Erde nicht mehr.
Delegationen vieler Länder wohnten dem Schauspiel bei,
aber niemand getraute sich direkt Einfluss
auf den Spielplan zu nehmen.
Viele Tage alte Zeitungen,
aber auch neue, von heute und morgen,
wehten durch die leergefegten Strassen.
Blieben kreischend und flatternd
an geknickten Laternenmasten hängen,
verstopften die Zufahrten
und legten sich sanft knisternd
über vielleicht nur schlafende Menschenleiber,
wie Leichentücher.
Als die Rettungseinheiten endlich das Spielfeld erreichten,
wurde die zuvor vernichtend geschlagene
gegnerische Mannschaft gerade vom Spielfeld getragen.
Die Preise und Pokale konnten vom Komitee
nicht ausgehändigt werden,
da die Stiftung nur über einen vergleichsweise
bescheidenen Etat verfügte.
Geigenklänge tasten sich vor,
gleiten über das beständige Summen der Heizungsanlage,
die spitzen Rufe der Kinder aus der Nachbarschaft,
das öffnen eines Wasserhahnes,
das Gezeter der Spatzen draußen,
die noch immer oder schon wieder der Katze folgen,
breiten sich aus im Raum und lassen mich zur Ruhe kommen.
Deine Hand malt noch einige Buchstaben auf das Papier.
Die Gedanken fließen den Klängen zu,
um sodann von ihnen davongetragen zu werden,
wie die Wasser des Flusses ganz im Meer aufgehen,
sobald sie es erreicht haben.
Ich habe es gesehen, aber ich kannte seinen Namen nicht.
Dann kannst du es auch nicht gesehen haben!
Der Vorschlag nach Hause zu gehen, kam diesmal nicht von mir.
Gerne wäre ich geblieben,
in dieser sternenklaren Nacht,
unter diesem funkelnden Sternenzelt.
Die Gespräche waren schon längst erloschen,
der Mond auf seiner Wanderung schon weit vorangekommen.
Wir blickten uns schweigend tief in die Augen
und machten uns, bei den Händen haltend, auf und davon.
Mit welcher Leichtigkeit wir mit jedem Atemzug
das unendliche All in uns aufsaugten,
um uns daraufhin in es zu verströmen.
Die Morgensonne weckte uns.
Wir lagen eng umschlungen im Gras.
Auf deinen Haaren glitzerten noch einige Sterne
und auf deiner Nasenspitze.
Bewege dich nicht und lass sie für einen kurzen Moment nur
noch einmal die Sonnenstrahlen nach mir werfen.
Mein besonderes Mitgefühl galt jenen Geschöpfen,
die ohne Schuld und eigenes Zutun,
den menschlichen Vernichtungsenergien zum Opfer fielen.
Kleine Kinder drückten sich die Nasen
an den Schaufensterscheiben platt.
Der Vernissage schien ein überwältigender Erfolg beschieden zu sein.
Die gesamte Journaille war anwesend,
um diesem einmaligen Spektakel ihre Referenz zu erweisen.
Bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gaben sich ein Stelldichein
und die Kunst erwies sich abermals als parteienübergreifendes,
die unterschiedlichen Weltanschauungen transzendierendes Medium.
Erstmalig wurde sein vollständiges d`Euvre
der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Stiftungen, Museen und Privatpersonen aus aller Herren Länder ,
stellten die Exponate zur Verfügung.
Erstmalig wird ein umfassender Einblick
in die vergänglich machende Schaffenskraft
dieses begnadeten Enfant Terrible ermöglicht.
Die von ihm als Modell begehrten, seiner Ansichtig geworden,
vor Angst und Schrecken zu Steinsäulen erstarrten Menschenleiber,
zieren als besonders ausdrucksstarke Objekte,
Portalen gleich, die Eingänge zu jenen etwas muffig riechenden Hallen,
in denen, gefasst in schwere barocke Eichenrahmen,
alle die vom Tode gezeichneten Gesichter hängen.
Heute kommen wir wieder ganz groß raus.
Heute wird gelebt.
Wir haben nichts zu verschenken.
Jeder nicht gelebte Tag, ist ein Todestag.
Im Mittelpunkt steht die Blue Movie Show.
Hier geht Mann gleich zur Sache, nichts brennt an.
Wir wurden schon wieder nicht eingeladen.
Aber wir waren ja auch gestern nicht da.
Abwesenheit ohne besonderen Vorsatz.
Sonne am Himmel ohne ersichtlichen Grund.
Fallobst, braun und faulig.
Weiß Überhaupt jemand, wann du nach Hause kommst?
Hast du dich auch genügend auf diesen
alles entscheidenden Schritt vorbereitet?
Habt ihr mich in Erinnerung behalten?
So schnell kann ich doch nicht aus eurem Bewusstsein
verschwunden sein.
Ihr habt mich noch nie gesehen?
Ihr wart nicht anwesend,
als ich hier gewesen sein soll?
Ausreden und Lügen hindern die Nachfolgenden am Weiterkommen.
überall wird gewartet.
Seitdem Geschichten erzählt werden,
wird darauf gewartet, dass sie ihr Ende erreichen.
Erreichen sie aber nicht – niemals!
Zu viele Einzelmaßnahmen sind ergriffen worden,
doch der rote Faden war endgültig
den suchenden Fingern entglitten.
Der in Verwesung Übergegangene Leichnam,
wurde nun bei Kerzenlicht und stimmungsvoller Musik seziert
und in mundgerechten Portionen,
an die andächtig wartenden Clubmitglieder verteilt.
Alle Versuche, den Hergang zu rekapitulieren,
mussten laut Obduktionsbericht scheitern,
da nicht mehr alle Teile,
vor dem immer fester werdenden Zugriff
ablaufender Zeit bewahrt werden konnten.
Der verbliebene Rest wurde in Gewahrsam genommen.
Winterjacken schützen vor Kälteeinbruch.
Es geht manchmal unvermutet schnell.
Ich halte die Hand aus dem Fenster,
hinaus in die Kälte-
und sie ist weg.
Ich begebe mich vor die Tür, um nach ihr zu suchen.
Die Tür fällt kreischend ins Schloss
und alles Licht erlischt.
Nur tastend komme ich vorwärts.
Alles ist nicht wie sonst.
Ich schaue zurück.
Da ist kein Fenster und keine Tür.
Da ist nichts, wo ich gerade noch gewesen sein könnte.
Nur Dunkelheit.
Ich erinnere mich der Dunkelheit
als Pendant zur Helligkeit.
Hier gibt es keine Helligkeit.
Je mehr meine Erinnerung an Helligkeit schwindet,
desto vorstellungsloser wird für mich der Begriff Dunkelheit.
Auch die Zeit hat ihren prägenden Charakter verloren.
Keine Abfolge von irgendetwas kann ich mehr erkennen.
Auch meine andere Hand
sowie Arme und Beine
scheine ich eingebüßt zu haben.
Ich fühle und ertaste nichts mehr,
entweder weil ich keine Organe und Gliedmaßen mehr habe,
die es mir möglich machen könnten,
oder aber, dass da nichts ist, was sich erfühlen und ertasten ließe.
Zu nichts mehr stehe ich in Beziehung.
Ich denke nur noch unter dem Druck der Erinnerungen
und versuche mich zu definieren,
zu definieren im Verhältnis oder im Gegensatz wozu?
Egal.
Es gibt keine Begriffe und keine Beziehungen mehr.
Nur noch Worthülsen.
Nur noch leere Worthülsen in meinem Kopf.
Da ist kein Kopf mehr.
Da sind Gedanken.
Gedankenfetzen wehen von überall her.
Nein, es gibt kein Überall –
sie kommen und gehen.
Vereinigen sich zu Gedankenkomplexen,
verschwinden wieder.
Gedanken, nur Gedanken.
Ein unendlicher Ozean von Gedanken,
der entsteht und wieder vergeht.
Alles verlischt.
Sorgenvolle Gemüter umringen das noch nie Dagewesene.
Wie sollte man sich verhalten?
Es gibt keine Regeln.
Es widerspricht allen Konventionen.
Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinerlei Abweichungen
von den vorgefertigten Meinungen.
Alles schien transparent und von gleichbleibender Konsistenz zu sein.
Aber jetzt stehen wir vor einem niemals geschauten
und niemals für möglich gehaltenen Abgrund.
Einige wenige sprangen.
Zurück kehrte keiner,
der unsere
vor dem Unbekannten schaudernden und fröstelnden Herzen beruhigen konnte.
Der kristallklare Bach floss ruhig und ebenmäßig
unter dichtem Blätterdach in seinem moosbewachsenen Bett.
Leise plätschernd umspülte er den Fels,
der ihm wohl vor undenklichen Zeiten in den Weg gelegt worden ist.
Blaugrün schimmernd breitet eine Libelle
ihre zart geäderten Flügel auf dem sonnenbeschienenen warmen Felsen aus.
Die Anpassung fand nicht statt.
Unter notarieller Aufsicht
wurde dem Opfer eine viel zu lange Wartezeit zugemutet.
Als es dann endlich an die Reihe kam,
waren alle Täter verschwunden.
Königstiger machten alle Chancen zunichte,
bis in den Palast vorzudringen.
Telefonate nach außerhalb
wurden unter die direkte Kontrolle des
„Ehrenwerten Komitees für unverfängliche Auslandsbeziehungen“
gestellt.
Abnorme Gewichtszunahmen bei Ministern
brachten zwar die Abstimmung nicht zu Fall,
aber der Bezugsrahmen wurde laut und vernehmlich gesprengt.
Seltsamerweise ging das Versteckspiel weiter.
Alle suchten.
Jedes Fernsehprogramm,
es gibt z. Zt. 136,
wurde fernbedient abgesucht.
Jede Zeitung wurde abgesucht.
Ferne Länder wurden bereist und abgesucht.
Menschen und Tiere wurden auseinandergenommen und abgesucht.
In und auf den Ozeanen wurde gesucht.
Selbst im Weltraum wurde gesucht.
Und auch im Atomkern wurde gesucht.
Alle waren emsig am Suchen.
Jeder hatte seinen Bereich,
den er von oben bis unten abzusuchen hatte.
Kein Stein blieb auf dem anderen.
Wir sind alle beschäftigt.
Von morgens früh bis abends spät.
Es ist eine die gesamte Menschheit in Anspruch nehmende Aufgabe,
ein umfassendes teleologisches Prinzip.
Es gab auch einige, die nicht unmittelbar an der Suche beteiligt waren.
Ihnen kam die Aufgabe zu, sich Gedanken darüber zu machen,
wonach gesucht wurde.
Diese Gedanken wurden dann niedergeschrieben.
Viele, viele Bände, z. T. in Schweinsleder gebunden und goldgeprägt,
geben uns eine ungefähre Vorstellung davon,
wie sich dieser Suchzwang auf die Weiterentwicklung des Homo sapiens
im Rahmen der großen kosmischen Evolution auswirkte.
Besucher von Museen, Bibliotheken und Universitäten
können hier alles nachlesen und ungestört suchen.
Auch heute noch flankiert eine ganze Zunft zutiefst denkender Sucher
den gesamtgesellschaftlichen Suchprozess.
Was uns heute von den uns vorangegangenen Suchtrupps unterscheidet,
ist die Herausbildung einer weiteren Spezies von denkenden Suchern,
die es sich zur Aufgabe gemacht haben,
darüber nachzudenken,
wonach die alte Riege denkender Sucher
gesucht haben mag.
Sollte diese Spezialisierung eine beispielhafte,
zukunftsweisende Funktion haben,
ist es vorstellbar, dass in nicht allzu fernen Zeiten
ein Menschengeschlecht existiert,
wo ein jeder darüber nachdenken wird,
wonach der andere suchen mag.
Und ich gehe bestimmt nicht fehl in der Annahme,
wenn ich vermute,
dass unsere Evolution zu jenem Zeitpunkt
ihre Bestimmung erreicht haben wird
und das Gesuchte sich endlich jedem emsigen Sucher zu erkennen geben wird.
Gestern hatte ich mir Gedanken gemacht.
Sie vergingen wieder.
Empfindsame Herzen hängen,
leicht vom Wind bewegt,
in der Dornenhecke.
Rot färbt sich der Grund.
Zeilenlose Abstände dehnen das Jahrzehnt.
Kaugummi klebt auf dem Trottoir.
Kindheitserinnerungen wecken Sehnsüchte.
Weihnachtsplätzchen, dampfend, duftend, ofenfrisch.
Der Trend geht eindeutig dahin.
Klar auf der Hand liegende Tatsachen
können in den seltensten Fällen weggeredet werden.
Aber wir erklären uns mit der Rationierung einverstanden.
Die Eingeweide werden ausgeweidet.
Bomberpiloten verlieren die Orientierung
und finden nicht zu ihrem Stützpunkt zurück.
Aufmarschgebiete werden unter den Kontrahenten aufgeteilt.
Gesprächsbereitschaft ist Voraussetzung
für gutnachbarschaftliche Beziehungen.
Als der Regen die Straßenschluchten zu überfluten begann,
fühlten die Bewohner, dass die Zeiten,
da nasse Wäsche zum Trocknen vor die Fenster gehängt werden konnte,
ein für alle Mal der Vergangenheit angehörten.
Es mussten Alternativen gefunden werden.
Zuvor war es noch so.
Aber die Umstände zwangen zum Handeln.
Die Warnung erreichte ihn noch vor Tagesanbruch.
Aber es war schon zu spät.
Blindlings erreichte ihn das Schicksal.
Dunkle Wolken brauten sich über den Dächern der Stadt zusammen,
als sich weit abseits,
im entlegensten Teil ihres Schlafgemachs,
die Dame von Welt,
vollkommen unberührt vom hektischen Treiben dieses turbulenten Jahrhunderts,
ihr diamantbesetztes Collier anlegte.
Leise, kaum hörbar, erklang sein einsames Rufen aus dem Dickicht.
Das Ziel hatte ich aus den Augen verloren
und bin erst weit, weit entfernt davon wieder zu mir gekommen.
Der Flug an sich hätte kaum angenehmer sein können,
bis dann die Triebwerke Feuer fingen
und der Pilot sich mit vernehmlicher Stimme
über die Bordsprechanlage
für die im Flugplan nicht vorgesehenen Unannehmlichkeiten entschuldigte.
Es war alles ganz einfach.
Mit den zusätzlichen Belastungen jedoch
wurden leichtsinnigerweise die Schwermütigen betraut
und diese brachen,
wie nicht anders zu erwarten,
unter der Last zusammen.
Und dann kam doch noch alles so, wie es kommen musste.
Weiße Schneevögel markieren die äußerste Grenze jenes Reiches,
das vor undenklichen Zeiten,
im eisigen Schatten
einer nicht enden wollenden Sonnenfinsternis
zu Eis erstarrte.
Die einstmals so glücklichen Einwohner
sind Opfer des so unvermutet über sie gekommenen Kältetodes geworden.
Wischst Du den Schnee beiseite,
der sich, wie es in den Chroniken geschrieben steht,
aus ihren letzten Tränen niedergeschlagen
und dann wie ein Leichentuch über sie gelegt haben soll,
kann es passieren,
dass Du angesichts dieser spiegelglatten Fläche aus Eis
in Dein eigenes Angesicht zu schauen glaubst.
Doch, oh Schreck!
Es sind die angstvoll aufgerissenen Augen
eines jener einstmals so glücklichen Einwohner,
der direkt unterhalb der Oberfläche
im ewigen Eis eingefroren wurde.
Und direkt über dem Horizont
brechen weiße Schneevögel
aus den himmelwärts ragenden Gletscherplatten,
um mit einigen anfänglich noch unbeholfenen Flügelschlägen
ihre erkalteten Körper in die Lüfte zu erheben
und der Sonne entgegenzufliegen.
Mit jedem Schlag ihrer Flügel werden sie leichter.
Und mit jedem Atemzug
in der immer wärmer werdenden Luft
wird ihr Gefieder farbenfroher
und bald schon kündet nichts mehr von ihrem eisigen Herkunftsort.
Zaungäste beim Galadinner.
Videoclips im Reisegepäck.
Verlorengegangene Paradiese im Herzen der Großstadt.
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.
Aber sie sind sofort wieder von der Dunkelheit verschluckt worden.
Es gab viele überwältigende Ereignisse.
Von einigen konnte ich mich kaum wieder erholen.
Andere hingegen haben sich nicht einmal bemerkbar gemacht.
Und dann dieser Moment, als sich unsere Wege kreuzten.
Dir blieb die Luft weg und mir auch.
Es gibt Begegnungen verschiedenerlei Art.
Unsere war eine der selteneren Art.
Wären wir wie Ozeane, es gäbe Sturmfluten.
Wären wir wie Kontinente, es gäbe Erdbeben.
Wären wir wie Bergmassive, wir würden uns übereinandertürmen.
Wären wir wie Sonne und Mond, wir würden ineinanderstürzen.
Wären wir Vergangenheit und Zukunft, wir würden Gegenwart.
Am Anfang unserer Unterhaltung stand ein Missverständnis.
Vor den Fenstern prasselt der Regen unaufhörlich unsichtbar
in dunkler Nacht.
Eine vollgelaufene Regentonne schlürft und spuckt.
Läuft über.
Im feuchtkalten Morgengrauen ist ein Spatz erwacht.
Nur ein müdes Tschiep, tschiep lässt auf ihn aufmerksam werden.
Das Glück gleitet stufenlos aufwärts.
Immer wieder dachten wir, den Zenit schon erreicht zu haben,
doch es hört nicht auf.
Von Tag zu Tag werden wir glücklicher.
Wo soll das bloß enden?
Aufgedunsene Leiber in Fast-Food-Restaurants
leben schnell vor sich dahin.
Keimende Hoffnungen werden frühzeitig erstickt.
Scharlachrote Mützen wehen im Wind.
Kinder tanzen auf dem Asphalt.
Der Cowboy spielt den Blues.
Jungfrauen fühlen sich entehrt.
Bananen frisch ausgepackt.
Verramscht muss alles werden.
Raus damit, raus damit.
Leute, kauft billig ein.
Es könnte euer letzter sein.
Hungrige Mäuler müssen wir stopfen.
Dafür kommst Du das nächste Mal pünktlicher.
Ich habe mir die Antwort schon im Voraus gegeben.
Es ist mir lieber so.
Wer weiß, was für eine Antwort Du mir gegeben hättest.
Glaube mir, es ist besser so.
Abschied nehmen fällt schwer.
Endgültig, von allem.
Was war da?
Meine Erinnerung lässt nach.
Ich war gar nicht hier.
Keinen Tag habe ich unter Euch verweilt.
Schemenhaft, wie knorrige alte Eichen im Nebel,
tauchtet Ihr kurz auf,
um dann wieder vom Nebel verschluckt zu werden.
Unentschlossen wart Ihr.
Oder habt Ihr gewusst, was Euch hier erwartet?
Solltet Ihr doch die Klügeren gewesen sein?
Habt mich vorausgeschickt, um das Terrain zu erkunden.
Ich würde gerne wieder gehen.
Aber ich schaffe es nicht.
Der Nebel, aus dem auch ich einstmals hinaus in diese Welt trat,
hat sich wie schnell bindender Leim um mich gelegt
und lässt mich nicht wieder los.
19.44 Uhr.
Regenzeit.
Unzeit.
Bettzeit.
Mahlzeit.
Ostwind.
Lkws rumoren in der Luft.
Sobald Du davon redest, ist alles vorbei.
Es verliert Sinn und Bedeutung.
Der Wind, der um das Haus streicht,
sich in Regenrinnen,
leeren, auf dem Rasen liegenden Eimern
und den Ästen der kahlen Bäume verfängt,
klagt sein Leid.
Er heult, der kleine Wind.
Hat Angst und Scheu.
Ihr solltet Euch von Euren Sitzen erheben.
Abschied nehmen.
Alle Spuren haben sich aufgelöst, nichts ist übriggeblieben.
Nur noch Schatten der Erinnerung.
Verfliegen.
Haben nichts, geben nichts.
Auf den Kopf gestellt.
Nichts kommt raus.
Liebesdienste.
Gaumenfreuden.
Auftaktveranstaltung.
Opfergang.
Oberschicht.
Unterschicht.
Ideen vergehen.
Immerdar.
Sonderbar.
Würdest Du mir den Zucker reichen?
Nein, zur derzeitigen Lage …
Wie meinst Du das?
Fällt mir nur der Kommentar in der Zeitung ein.
Ich verweise Dich auf Seite 2.
Schneidend kalt ist der Wind.
Den Blick immer geradeaus.
Die Restbestände wurden den Ärmsten der Armen zum Fraß vorgeworfen.
Wie wohltuend der Klang der Sonne ist.
Einsilbige Dialoge.
Wir sitzen gefangen in unseren selbst gewebten Netzen.
Ich bin unbeteiligt.
Alles geschieht.
Ohne mein Zutun.
Ich sollte es geschehen lassen.
Ich bin beteiligt.
Bin verwoben.
Ein unsichtbarer Faden
in dem das Universum durchwabernden,
das Universum bildenden Netz.
Jede Berührung versetzt mich in Schwingung.
Jede meiner Bewegungen lässt das ganze All erklingen.
Ich habe Angst.
Furchtbare Angst.
Angst vor dem Schmerz.
Angst vor dem Leid.
Angst vor dem Tod.
Ich sehne sie herbei, die Schmerzen, das Leiden und den Tod.
Ich kann ihnen nicht entkommen.
Ich habe die Welt in Brand gesetzt
und muss das Feuer mit meinem eigenen Leib ersticken.
Klaglos.
Damit die Sonne wieder scheinen kann,
in dieser von Rauch und Qualm geschaffenen Finsternis,
denn in ihrem Feuer will ich verglühen und vergehen.
Doch bis dahin werden die Fenster noch viele Male zuwachsen.
Und Dunkelheit wird sich ausbreiten.
Und Wolken stürzen versteinert aus brennenden Himmeln.
Fortgesetzt werden muss, was begonnen wurde.
Endlose Diskussionen zermahlen die Wirklichkeit
zu nichtssagenden Wörtern.
Serielle Fabrikation der immer gleichen Gesichter.
Garstige kleine Kinder treiben ihr Unwesen in dunklen Häuserschluchten.
Zwielichtige Geschöpfe aus den finstersten Ecken des Universums
bevölkern die Vorgärten biederer Kleinstädter.
Zahnradgetriebene Raumkreuzer jagen mit Überlichtgeschwindigkeit
durch die Arenen dieser Welt.
Die Erwartungen wurden einfach nur heruntergeschraubt
und schon fügte sich alles wieder ins Bild.
Die Farben waren etwas blass, aber an Dynamik hat es nicht gefehlt.
Ein zarter Strich vor blauem Horizont erweckte Illusionen.
Die Last wird unerträglich schwer.
Sie zieht uns hinab.
Ein neuer Anfang geschieht.
Ein Anfang ohne Ende.
Immer nur der Anfang.
Stundenlange Staus auf der Autobahn.
Zerquetschte Menschenleiber.
Schreie wehen herüber und vergehen.
Der Augenblick ist vorbei.
Komm doch näher.
Worauf wartest Du?
Streichle mein Gesicht.
Berühre mich.
Ich küsse Deinen warmen, duftenden Leib.
Ungeahnte Flut von Informationen.
Kommt hernieder.
Verpasse die Ankunft nicht.
Irgendwo ist der Fluss steckengeblieben.
Wir können uns nicht gedulden.
Die Zaungäste bevölkern die Stätten,
in denen für die Zukunft geprobt wird.
Gesichter werden ausgetauscht
und den Erfordernissen angepasst.
Der Regisseur ist tot.
Das Drehbuch wurde noch nicht geschrieben.
Sprechblasen hängen wortlos leer über der Bühne.
Szenen gleichen sich.
Die Trapezkünstler verpassen sich im freien Flug
und tauchen ein im linken unteren Bildrand.
Getreu der zuletzt getroffenen Anweisung
ergab sich der blonde,
für unbesiegbar gehaltene Wüstenfuchs,
der schwarzhaarigen, Männerherzen in Flammen setzenden Prinzessin
des legendären Nomadenstammes,
um bald darauf im erbarmungslosen Feuersturm
der im Zenit stehenden Sonne festzustellen,
dass seine ganze bisherige Existenz auf Sand gebaut war.
Damit endete ein weiteres Schicksal.
Das wievielte?
Wer weiß das schon?
Niemand vermag sie zu zählen.
Es gibt verschiedene Ebenen des Verstehens.
Ich suchte mein Fahrzeug in der Tiefgarage.
oder hatte ich es noch weiter unten abgestellt?
Ach, lasst mich doch zufrieden.
Schadenfreude lacht aus Euren Augen.
Die Straße wird enger.
Wie ist das möglich?
Die Zukunft lag doch vor uns.
Wie verheißungsvoll hatte sie sich vor uns ausgebreitet
und uns ihre verlockende Pracht
und ihre vielversprechenden Reize geradezu aufgedrängt.
Prostituiert hatte sie sich vor uns.
Alle Wünsche wollte sie uns erfüllen,
mochten sie noch so ausgefallen sein.
Wir haben uns zwischen ihre festen, gespreizten,
uns wollüstig empfangenden Schenkel gedrängt.
NICHT ENDEN WOLLENDE GLÜCKSELIGKEIT
prangte eintätowiert auf der Innenseite ihrer Schenkel
mit einem nach aufwärts gerichteten Pfeil.
Lag es denn an uns?
Hätten wir widerstehen sollen?
Was hatten wir denn noch?
Alles haben wir aufgegeben, ihretwegen.
Es gab keine Umkehr, kein Zurück mehr.
An der Gegenwart haben wir uns vergangen. Sie ist vergangen.
Haben aus einer liebevollen, stolzen, wunderschönen Frau
eine Gummipuppe gemacht.
Sie entehrt und in unserer Wut darüber,
dass sie immer weniger bereit war,
unsere abnormen Begierden zu stillen,
haben wir ihr den Bauch aufgeschlitzt,
ohne zu merken, dass schon seit langer Zeit
alle Luft aus ihr gewichen und sie vergangen ist.
Und dann öffnete sich für uns die Zukunft.
Verhalten erst.
Dann immer unverhohlener.
Mit Gewalt nahmen wir sie uns.
Konnten nicht mehr länger warten.
Allzu verlockend waren ihre Verheißungen.
Eingedrungen sind wir in sie,
die sich so würdelos darbot.
Sie nahm uns alle auf.
Selbst die ausgefallensten Wünsche
schien sie befriedigen zu wollen.
Dann schloss sich ihr Leib.
Sie presste uns immer fester an sich.
Wir waren gefangen in der „Eisernen Jungfrau“.
Ihre spitzen Dornen bohrten sich tief in unser,
von Gier noch erhitztes und dampfendes Fleisch.
Schreie der Empörung, der Wut und des Hasses
hallten metallisch wider
von der dornenbestückten Innenseite ihres eisernen Leibes
und gingen in Schmerzensschreie über.
Und in dieser qualvollen Gegenwart
schien es weder Vergangenheit noch Zukunft zu geben.
Der Schmerz schien ewig zu währen.
Als dann das Leben letztendlich aus unseren durchbohrten
Körpern gewichen zu sein schien,
sahen wir, dass dort im Leib der Eisernen Jungfrau
eine Gummipuppe zischend in sich zusammenfiel,
sich aufblähte, zischend in sich zusammenfiel,
sich aufblähte, zischend in sich zusammenfiel …
sich aufblähte, zischend in sich zusammenfiel
und so ging es endlos weiter.
So verbrachten wir dann das Weihnachtsfest
friedlich im Kreise der Familie.
Die Wohnzimmer dufteten nach Zimt und Hasenbraten,
während der Wind seine Melodien immer heftiger
in den Wipfeln der Bäume zu spielen begann.
Die festlich geschmückten Spaziergänger
kehrten wohlgeordnet zurück
in ihre weihnachtlich beleuchteten Stuben.
Das Christkind empfing uns lächelnd in seiner Krippe
und wie alle Jahre wieder
ließ sein Anblick uns einen wohligen Schauer
der Behaglichkeit über den Rücken jagen.
Die Fernsehsprecherin war anlässlich der Jahreszeit
schneeweiß geschminkt,
die Haare schlohweiß gefärbt
und in ihrem langen, titanweißen, feierlich hochgeschnürten Abendkleid
hob sie sich nun gar nicht mehr
von dem marmorweißen Hintergrund und dem kreideweißen Ambiente ab.
Passend zum heutigen Tage und um unsere Erwartungen zu erfüllen,
kündigte sie die altbekannte Weise
„I’m Dreaming of a White Christmas“,
gesungen von Roberto Blanco,
vor weiß gewandetem Knabenchor an.
Unsere Erinnerungen sind sehr lückenhaft
und das Frühstücksei etwas zu weich geraten.
Die Dunkelheit gewinnt Konturen.
Silhouetten beginnen sich aus dem Schwarz herauszuschälen.
Der Raum füllt sich.
Von Minute zu Minute entstehen mehr Umrisse,
die sich voneinander abzusetzen versuchen.
Dem Laubbaumdunkel wachsen blattlose Zweige.
Das tiefe Tannendunkel gewährt dem zarten Horizontgrau Durchlass
und das silbrige Grau,
das den nahenden Sonnenaufgang ankündigt,
lässt das Dach eines noch unbeleuchteten Hauses tiefschwarz hervortreten.
Worte beflügeln.
Und schon haben wir uns weit von der Wahrheit entfernt.
Traumsymbole, eimerweise verschüttet.
In durchschlafener Nacht.
Fieberhafte Suche nach dem Träumer.
Kaninchenställe müssen ausgemistet werden.
Das neue Jahrzehnt naht.
Verhaltenes Blau.
Rücksichtnahme wurde angeordnet.
Attentate verunsichern die Festzeltbesucher.
Sprengstoffanschläge gegen Mitternacht.
Zwischenräume müssen ausgefüllt werden.
Bruchstückhaft der Rückblick.
Wesentliches bleibt unberücksichtigt.
Scheingefechte ersetzen die Abendnachrichten.
Witwentröster per Inserat gesucht.
Kommt scharenweise.
Es ist nichts, reinweg gar nichts.
Jeder, der sich einbildet, irgendetwas verstehen zu können,
muss sich fragen lassen,
ob seine Antwort der Wahrheit und den Wünschen der Regierung entspricht.
Verschlungene Pfade durchziehen das unübersichtliche Gelände.
Hinweisschilder dienen der Desorientierung.
Gehe einfach.
Suche den Deuter Deiner Träume.
Hinter der Wegbiegung.
Ein rauschender Bach.
Begrabt mein Herz.
Hier.
Kettenhemd vom Pfeil durchbohrt.
Der Bach ist rot – blutrot.
Unbehagen.
Siegt der Frieden?
Wohlbehagen.
Siegt der Frieden?
Ausgerutscht.
Kein Halten.
Das Ufer ist weit.
Atemnot.
Lautlose Schreie.
Figuren versinken im Schlamm.
Hände greifen. Leere.
Dröhnende Motoren im Hochgeschwindigkeitstrakt.
Dröhnen.
Ursprungsloses Dröhnen.
Im Kreis gelaufen.
Die Samen aufgepickt.
Schwarze Krähen im himmellosen Blau.
Beweg Dich nicht.
Sei atemlos.
Sei unbesorgt.
Schlange stehen vor leeren Regalen.
Der Träumer träumt den Traum.
Unbeherrschtes Abendrot.
Vollmundig.
Sorgsam gehütete Geheimnisse verlassen des Nachts den Bewahrer.
Kehren nicht zurück.
Ohne Schuld.
Oh, nein.
Zartes Rosa.
Erstickt.
Es ist geschehen.
Es zerläuft.
Spieluhren erklingen.
Rastlose Melodien.
Lautmalereien.
Klangfarben.
Der Baum tritt aus dem Schatten und brüllt Dich an.
Du versinkst im Boden.
Halte Dich fest.
Die Reise nimmt kein Ende mehr.
Woher nimmst Du diese Energien?
Die Wogen schlagen höher.
Die Flut kehrt zurück.
Schlechtes, Abgestorbenes wird ans Ufer gespült.
Der Rhythmus bleibt ungebrochen.
Die Stürme tragen wallende Kleider.
Geburtstagsrosen welken müde in der Vase.
Das stählerne Pochen meines Herzens
presst das Blut gegen meine Schläfen.
Ein neues Jahrzehnt beginnt.
Geräuschvolle Stille und das Geschirr vom gestrigen Tag.
Entsetzen weitet die Augen des Dirigenten.
Das Publikum applaudiert.
Es liegt mir fern, irgendetwas oder irgendwen zu verurteilen.
Kinder verhungern überall auf dieser Welt.
Kinder wollen nicht leben und wollen nicht sterben.
Kinder sind da.
Kinder können nur das tun, was wir sie tun lassen.
Und wir lassen sie sterben.
Und sie wehren sich nicht.
Und ich glaube, sie hassen uns nicht.
Aber ihr Schmerz geht nicht verloren.
So wie nichts jemals verloren geht.
Und Wogen des Schmerzes und des Leids überfluten unsere Welt.
Woher nimmst Du die Geduld, einfach nur zu sein?
Du tust nichts.
Wie hältst Du das aus?
Meine Zeit vergeht schnell.
Ich bin beschäftigt.
Die Teller werden abgeräumt und Schnee fällt
auf die noch warmen Leiber.
Wenn zwei der gleichen Meinung sind, muss etwas passieren,
um der Stagnation entgegenzuwirken.
Tau tropft von den Blättern.
Graue schwere Wolken schieben helles Sonnenlicht vor sich her.
Verdorrte Äste ächzen angebrochen im Wind.
Das Bahnhofsrestaurant entlässt die letzten Gäste.
Der Stehgeiger wendet sich dem jungen Paar zu.
Kopflos vor Freude
läuft der eben erst Guillotinierte über den Marktplatz,
als er erfuhr, dass seinem Gnadengesuch stattgegeben worden ist.
Seine Liebste suchte er unter den Schaulustigen
und konnte sie nicht sehen.
Trotz der misslichen Lage
gelang es der schiffbrüchigen Besatzung,
die an eine Planke geklammert
den über sie zusammenbrechenden Wogen trotzte,
dem Smutje für das gelungene,
zart zubereitete Haifischsteak zu danken.
Eisberge trieben, reich mit Schnee bedeckt, in weiter Ferne am Horizont.
Farbenfrohe Nordlichter tanzten prächtig schillernd
über das dunkle Firmament und malten eine festliche Kulisse
hinter die von den Wellen bewegten,
auf das Dessert wartenden schiffbrüchigen Besatzungsmitglieder.
Dem Smutje liefen gerührt,
ob der Lobeshymnen, die auf ihn und seine Kochkunst angestimmt wurden,
die salzigen Tränen aus den Augen
und vergingen in der aufgewühlten, eisigen, pechschwarzen See.
Erhobenen Hauptes betrat der Kunde den Frisiersalon.
Gerne würde ich mich aus dieser anhaltenden Spannung befreien,
die Fieberkurve senken,
aber die Ereignisse lassen sich nicht verzögern
und dem wachen Auge des Beobachters darf nichts entgehen.
Was z. B. würdest Du sagen,
wenn ich Dich darüber im Unklaren ließe,
was sich soeben zugetragen hat?
Genau das meine ich.
Und nicht nur Du würdest mir die Kompetenz absprechen.
Ich mir auch.
Die Bürde, die ich mir zu tragen auferlegt habe,
indem ich nichts auslasse, hinzufüge, beschönige
oder sonst wie subjektiv zu beurteilen versuche,
wird wohl nur von den nachfolgenden Generationen
ihrer Bedeutung gemäß gewürdigt werden können.
Mit dieser Chronik in Händen
werden unsere Nachfahren weit zurückblicken können
in das Dunkel ihrer herkunftslosen Vergangenheit.
In eine Zeit, als die Menschen begannen,
aus dem blutroten Licht der Morgensonne herauszutreten,
um sich auf jenen beschwerlichen Weg zu begeben,
der vorgezeichnet, aber so schwer zu finden war,
auf dem keine Gestirne mehr den Weg wiesen,
sondern sie aus eigener Kraft den Aufstieg schafften
und selbst zu strahlen anfingen.
Dabei vergaß ich zu erwähnen,
dass auf der linken Seite der von mir im Stadtzentrum befahrenen,
stark frequentierten Hauptstraße,
dort, wo sich ein altes, kleines Fachwerkhaus
im Schatten der Beton- und Glaspaläste ducken muss,
eine alte Frau, mit Gummistiefeln und Schürze
für die Gartenarbeit gewappnet,
in einem frisch umgegrabenen Gartenstück
mit freudigem Glanz in den Augen und vom Verkehrslärm unbeeindruckt
den Samen für die nächste Ernte legte.
So gingen sie also denn dahin.
In lustig anzusehenden Gewändern
durchschritten sie die Randzonen.
Überall lag noch der Schnee von gestern.
Laub musste zusammengeharkt werden.
Es war wirklich eine nette Atmosphäre.
Die Luft roch unverbraucht.
Die Ziegenhirten kamen herunter von den Bergen,
um hier zu rasten.
Die Jahre vergingen.
Alle werden älter, erfahrener.
Einige wenige hatten sich versteckt.
Hinter den Hügeln, in einsamen Tälern.
Aber auch sie werden irgendwann,
gelockt von den Wohlgerüchen heimischer Kochkunst,
nach Hause zurückfinden.
Am siebten Tag kehrte Ruhe ein.
Mücken und vielerlei unbekanntes Getier,
das überall um mich herum kreuchte und fleuchte,
machten den ansonsten durchweg
als wunderbar zu bezeichnenden Urlaubsort zur Hölle.
Die Gedanken, die dabei entstanden,
konnten nicht mehr erfasst werden.
Es sind die, die meinen, sich im Recht zu befinden,
die letztendlich vom Weg abkommen.
Meiner Meinung nach sollte es nicht so sein.
Anders eben. Anders …
Die Kommission hatte einen weiteren Programmpunkt
aus der Tagesordnung gestrichen
und somit hätte die Versammlung gar nicht stattzufinden brauchen.
Die Mahlzeiten werden täglich knapper bemessen.
Andernorts wurden Bezugsscheine ausgegeben.
Die Dinge ähneln sich.
Sind aber ohne Substanz.
Sie kommen und gehen.
Niemand weiß warum.
Der Virtuose liebkoste sein Instrument.
Und alle Dämme brachen.
Viele der Gespräche, in denen ich eine Interpretation
der Wirklichkeit zu geben versuchte,
schufen sofort neue Wirklichkeiten,
und zwar meine eigenen.
Und ich war Dir doch so vorurteilsfrei begegnet.
Ich konnte es nicht vermeiden,
beim Einkaufsbummel
in unserem wunderschönen Stadtzentrum
in die vielen blassen, farblosen Gesichter zu sehen.
Es scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben,
dass fast an jeder Straßenecke ein Bräunungsstudio,
respektive ein Solarium, zu finden ist.
Schlimme Nachrichten schnüren mir die Kehle zu.
Ich gehe unwillkürlich langsamer,
als ob ich so den Zeitpunkt
der nahenden Katastrophe hinauszögern könnte.
Niemand kennt mehr das lustige Lied,
das ich als Kind gesungen habe.
Jeder, den ich fragte,
intonierte die aktuelle Hitparade.
Gartenzwerge warten unbekümmert im Keller auf die Frühlingssonne.
Der Zweck meiner Erinnerungen ist ihre Haltlosigkeit.
Die Ereignisse werfen ihre langen Schatten voraus.
Und es fällt schwer, sich auch nur vorzustellen,
dass es möglich sein könnte,
Sonnenstrahlen einzufangen.
Wie viele schlaflose Stunden
habe ich mit brennendem Kopf verbracht?
Ich weiß es nicht.
Die Angst sitzt überall.
Schleicht sich kalt hinauf von den Füßen über die Waden,
die Oberschenkel in Deinen Unterleib,
verharrt eine geraume Zeit stöhnend in der Magengrube,
windet sich wie eine Boa constrictor um den Brustkorb,
schnürt ihn zu und dem Erstickungstod nahe
versuchst Du, diese ganze lebendige Angst,
die sich jetzt als quälender Hustenreiz bemerkbar macht,
aus Dir herauszuschleudern.
Aber sie sitzt fest in Deinem Kehlkopf,
und ihr Funkenflug steckt Deinen Kopf in Brand.
Das Ultimatum läuft ab.
Ein Krieg in Nahost droht Wirklichkeit zu werden.
Gorbatschow lässt die Maske fallen und besetzt Litauen.
Wie sensibel ich reagiere.
Wie ein Fieberthermometer im Ausgang unserer Zeit.
Tagtäglich finden Kriege statt,
sterben und leiden Menschen
und alle anderen fühlenden Wesen.
Und für mich waren dies nur Wiederholungen,
wie fast alles im Fernsehen.
Aber nun bin ich aufgewacht,
weil es mir an den Kragen geht.
Deshalb.
Ich fühle mich bedroht.
Und aus dieser Bedrohung heraus,
mit dem Rücken an der Wand,
versuche ich noch immer,
eine unbeeinflusste Einschätzung der Situation zu leisten.
Stammtischgespräche.
Es geht mir nur um mich.
Um alles, was mir lieb ist.
All dies ist bedroht.
Es geht um meinen Besitz.
Ich be-sitze nämlich.
Wie das Huhn das Ei.
Wohingegen das Tun des Huhns über jeden Zweifel erhaben ist.
Ja, jetzt sitzt mir das Messer an der Kehle.
Sage Inhaltsvolles.
Denke Ich-Übergreifendes.
Nichts passiert.
Doch ein Bild entsteht.
Ein Frosch sitzt auf seinem Blatt im Teich.
Eine Fliege ist aus widrigen, ungeklärten Umständen
aus dem Himmel vor ihn ins Wasser gestürzt
und kämpft um ihr Leben.
Er leckt sich das Maul.
Und bevor er sich auf seine Beute stürzen kann,
schnappt ein Karpfen,
der sich unter der Wasseroberfläche aufgehalten hat,
ihm diese vor der Nase weg.
Der Frosch bleibt ruhig, kalt, ungerührt und gleichgültig
und wartet auf die nächste Fliege.
Das ist es, was mir fehlt.
Gleichgültigkeit.
Alles ist gleich gültig.
Unterschiedslos.
Die Unterschiede mache ich.
Ich betrachte alles aus meiner menschlichen Froschperspektive.
Der Frosch möge mir diesen Vergleich verzeihen.
Was interessierten mich die Kriege
und die damit verbundenen Leiden vor 100 oder 1000den von Jahren.
Ja, selbst die Kriege dieses Jahrhunderts
haben mich nicht unmittelbar berührt.
Aber jetzt.
Aber jetzt fühle ich mich berührt.
Meine Katze springt mir auf den Schoß
und gibt mir schnurrend zu verstehen,
dass sie jemanden braucht, der ihr das Fell krault.
Zwischen den Ohren.
Das hat sie am liebsten.
Der Kaffee ist kalt geworden und die Zeit mittlerweile
wieder so weit fortgeschritten,
dass ich mich sputen muss,
um die Einkäufe, die mir zu erledigen aufgetragen wurden,
noch vor Geschäftsschluss zu tätigen.
Symphonische Dichtungen.
Geschmacksverirrungen.
Nasentropfen auf dem Beistelltisch.
Brennende Panzer im Wüstensand.
Die vergangenen Tage mit ihren blutroten Sonnenuntergängen
reihen sich aneinander,
wie die Perlen einer Kette aus Rubinen.
Doch der Faden aus Zeit,
auf den sie gefädelt werden,
scheint dünner geworden zu sein
und ich frage mich, was passiert,
wenn der Faden reißt.
Komm und nimm mich bei der Hand.
In Deiner Jugendzeit ist viel versäumt worden.
Damals gab es aber auch noch keine Gerüchte,
die hinter vorgehaltener Hand verbreitet wurden,
und die Bemühungen
zur Bekämpfung der fortgesetzten Ausschweifung jugendlicher Freischärler
fingen gerade erst an, Früchte zu tragen.
Eigenartige Allianzen bildeten sich.
Feuer und Wasser gaben ihre Gegensätze auf.
Himmel und Hölle rückten einander näher.
Die Feindseligkeiten konnten für unbestimmte Zeit
den gemeinsamen Interessen untergeordnet werden.
Von oben tropfte Schwerwiegendes auf die leichten Mädchen.
Ein Hauch von wild entschlossener Leidenschaft
dünstete seit jener Zeit aus jeder seiner Poren.
Gestrauchelte Existenzen erinnerten sich ihrer königlichen Abstammung.
Mit geöffneten Augen träumte mir,
dass mir mit geöffneten Augen träumte,
dass mir mit geöffneten Augen träumte,
dass mir mit geöffneten Augen träumte,
dass mir mit geöffneten Augen träumte …
Der Telefonhörer liegt auf dem Rücken.
Er hat keine Beine wie eine Schildkröte
und wird wohl für lange Zeiten so liegen bleiben müssen,
ohne sich auf die Bauchseite strampeln zu können,
wenn ich ihn nicht aufhöbe und umdrehte.
In der Zwischenzeit ist der Vorortzug
mit einiger Verspätung
in den kleinen, letzten Bahnhof seiner Reise eingefahren.
Erschöpft schnaufend nutzt die kleine Lok die Pause,
in der die wenigen, am Bahnsteig wartenden schweigsamen Passagiere
in die Wagen gestiegen sind
und sich in die kleinen, komfortlosen Abteile verteilt haben.
Beim Signalton des Bahnhofsvorstehers
setzt sie sich noch einmal mühsam stampfend in Bewegung.
Ein letztes, leiser werdendes Pfeifen
verrät den andächtig im Bahnhof verharrenden Zurückgebliebenen,
dass der Zug Fahrt aufgenommen hat,
um dann unmittelbar darauf von dicken Nebelbänken,
die sich schwer vor dem Horizont niedergelassen haben,
verschluckt zu werden.
Die Geschichte konnte nicht zu Ende geschrieben werden,
da bis zum heutigen Tage
der Verbleib des kleinen schnaufenden Vorortzuges
mit seinen wartenden Passagieren,
die sich in die komfortlosen Abteile verteilt haben,
nicht geklärt werden konnte.
Alteingesessene Familien standen auf,
um einen Neuanfang zu wagen.
Vertikale Linien markierten die Einfallpunkte.
Sonden führten den Operateur ans Ziel.
Die Beteiligten sollten sich vorher absprechen,
wer als Nächstes in die Versuchsanordnung eingebunden wird,
um der Wissenschaft zu dienen
und ihr notfalls auch geopfert zu werden.
Die Wanne füllte sich.
Erbrochene Rückstände einer nicht vollendeten Verdauung
klebten auf dem Teppich und an den Wänden.
Es roch nach Pisse und so allerlei anderen unschönen Ausscheidungen.
Als er wieder zu sich kam, waren die Gäste schon längst wieder in alle Himmelsrichtungen verstreut und auf dem Heimweg.
Der Abend begann vielversprechend,
doch der Ort seines Erwachens hätte auch etwas
attraktiver ausgefallen sein können und er erbrach sich schon wieder.
Der Zugang war versperrt.
Verschwitzte Körper wiegten sich gedankenverloren im Takt der Musik.
Die Sonne der Karibik schien von der Tapete
und die Wellen rauschten leise,
eine nach der anderen,
an die sandigen, menschenleeren Ufer.
Schöne, junge, braungebrannte Mädchen
mit unschuldig dreinblickenden Augen und schwarzen Haaren
verbreiteten mit ihrer nach Kokosöl duftenden, glänzenden Haut
einen Hauch von Gauguinscher Südseeexotik,
wenn sie mit freiem Oberkörper
und frech hüpfenden kleinen, festen Brüsten,
bekleidet nur mit einem Röckchen aus Bananen,
das wenig verdeckte, aber alles erahnen ließ,
den Cuba Libre servierten.
Der Prokurist betrat die Büroräume und eröffnete das Feuer.
Die Milch kochte über, aber niemand fühlte sich verantwortlich.
Das Büfett wurde mangels Beteiligung kaltgestellt.
Und schon wieder kamen sie hernieder.
Teufelsbrut, schrieen die einen,
Himmlische Heerscharen die anderen.
Als sie sich dann gegenseitig fast vernichtet hatten,
hielten sie inne,
verfassten ein Memorandum,
in dem alle Feindseligkeiten begraben wurden,
um sich alsdann zu vermischen.
Viele Generationen später kamen sie dann wieder hernieder.
Teufelsbrut, schrieen die einen.
Himmlische Heerscharen die anderen …
Und so ging es dann endlos weiter.
Vieles scheint sich zu wiederholen.
Das überwältigende Panorama,
das Du beim Anblick längst untergegangener Epochen genießen kannst,
entschädigt Dich für die schier endlose Langeweile,
die Dir die Aufeinanderfolge immer gleicher Minuten,
Tage und Jahre, von den Sekunden ganz zu schweigen, bereitet.
Und die Münder blieben vor Entsetzen weit aufgerissen.
Er stand in der Tür.
Sein Schatten warf sich sogleich
wie ein hungriger schwarzer Panther
auf die schreckenstarren Gäste
in dem so düsteren, verqualmten Lokal.
Jeder Mann und jede Frau schien wie versteinert.
Der Whisky gefror in den Gläsern.
Nur einer nahm seinen Hut und ging.
Bei Sonnenuntergang erreichte er die nächste Enklave.
Doch in der Morgenausgabe des nahenden Tages
wollten partout keine Abweichungen vom gewohnten Gang der Dinge eintreten.
Soweit man hier von Zufall oder böser Absicht sprechen will,
bleibt jedem meiner Leser und Zuhörer selbst überlassen,
nur muss er es mit seinem Gewissen vereinbaren können,
wobei ich die Gelegenheit nutzen möchte,
jene Leser und Zuhörer in Österreich und in der Schweiz
und allen anderen deutschsprachigen Ländern zu grüßen.
Vorbei sind die Zeiten,
da wir nebeneinander standen,
ohne von dem anderen zu wissen.
Das ist anders geworden.
Wir können uns sogar in die Augen schauen,
ohne dem Gegenüber gleich alles Schlechte mit auf seinen Heimweg zu wünschen.
Die Menschheit ist zivilisierter geworden
und weiß dies auch im Umgang miteinander zu demonstrieren.
Wollte ich jenen Glauben schenken,
die behaupten, die Wahrheit erfunden zu haben,
käme ich nicht ans Ziel.
Sonderbarerweise verstecken sich viele Geschöpfe meines Geistes
hinter undurchdringlichen Mauern des Schweigens,
aber ich spüre ihre Nähe.
Wie glücklich war ich damals,
nicht ganz Kind und noch nicht ganz Halbwüchsiger,
wenn gegen Mittag Erna mit ihrem starken polnischen Dialekt,
ihren ergrauten Haaren und der immer schwarzen Kleidung
ihre An- und Verkauf-Bücherstube öffnete.
Hier konnte ich stöbern und die Schule ganz weit hinter mir lassen.
Micky Maus, Falk, Sigurd, Tarzan, Jerry Cotton und mein heiß
verehrter Perry Rhodan, Imperator der Galaxis,
stapelten sich dort bis an die Decke.
Draußen schien die Sonne, wie jeden Tag.
Dort drinnen war es zwielichtig düster.
Einige Sonnenstrahlen suchten den Weg
durch die vom Straßenschmutz erblindeten Schaufensterscheiben
und leuchtende Finger aus Staub
spielten an den vergilbten Stapeln alter Hefte.
Der Geruch von Menschen, die diese Romane in beengten Wohnzimmern,
der Küche, der Toilette und dem Schlafzimmer gelesen haben mögen,
nahm mich gefangen.
So entströmten dieser Vielzahl geschriebener,
erdachter und phantasierter Geschichten,
noch all die vielen Geschichten,
die Leser ungewollt jenen Heftchen beigaben.
Perry-Rhodan-Weltraumromane
wurden mit meiner fiebernden Leidenschaft bedacht
und der Odem ferner Galaxien,
unbekannter Dimensionen und fremder Lebensformen
wurde von mir erst aus den Zeilen extrahiert
und umwölkte fortan die gelesenen Hefte
mit extraterrestrischen Pheromonen.
Ich glaube heute, dass es keine Buchstaben waren,
die ich aneinanderreihte, sondern,
dass ich der Entdecker jenes genetischen Codes war,
der verschlüsselt in diesen Romanen existierte
und es nur meiner kindlich-jugendlichen Phantasie bedurfte,
um diesen Code zu knacken,
sodass all die latent vorhandenen Wesen
mit Leben beseelt wurden.
Ich wurde so zu ihrem Schöpfer,
und sie begleiteten mich,
wohin ich auch ging
und erfüllten mir, wie der Geist,
den Aladin aus der Flasche befreite,
alle meine Wünsche.
Dieser Rückblick hat mich mit etwas Schwermut erfüllt,
denn es mischte sich der so erwachsene Unterton des
„Alles geht unwiederbringlich verloren.“ bei.
Doch dieser Anflug von Schwermut
wurde sogleich wieder überlagert
von einer kindlich zeitlosen Glückseligkeit,
den dieser Zauber wiedererweckter Erinnerungen
in mir zurückgelassen hat.
Sollte alles wie abgesprochen stattfinden,
werden Dir
in der Dir noch verbleibenden Zeit
die Fotos der infrage kommenden Täter vorgelegt.
Es ist an Dir, denjenigen,
der sich an Dir schuldig machen wird,
dem „Tribunal zur Bekämpfung besonders verabscheuungswürdiger Verbrechen“
auszuliefern.
Fragwürdige Existenzen stehen Rede und Antwort.
Dickflüssige Sekrete entweichen den faulenden Wunden.
Ruhelos peitschte die zerfetzte Flagge den Wind.
Eigenwillige, unerhörte Laute schufen Resonanzen,
denen niemand mehr Einhalt zu gebieten vermochte.
Seit Ewigkeiten wurden diese Hallen nicht mehr betreten.
Schwer fällt das eisenbeschlagene Tor ins Schloss.
Mörtel bröckelt.
Der Rückweg ist abgeschnitten.
Aufgeregt flattern Fledermäuse ins fahle Mondlicht.
Der Weg war lang und beschwerlich.
Die Bewohner des kleinen Dorfes zu Füßen des Felsens,
auf dem sich grau und unerschütterlich
die Türme des Schlosses in den nachtschwarzen Himmel recken,
müssen schon vor langer Zeit
dem unaussprechlichen Grauen den Rücken gekehrt haben
oder sie sind von ihm verschlungen worden.
Die Ruinen bescheidener Behausungen
verstärken in Dir das Gefühl abgrundtiefer Einsamkeit.
Wer sonst hätte noch durch dieses verfallene Bollwerk,
das gegen den Schrecken errichtet wurde, gehen sollen?
Nun stehst Du vor dem Eingang der Gruft
und es gibt keinen Weg mehr zurück.
Dein Atem geht flach und schnell.
Auch die letzte Zigarette,
die Du Dir versprochen hattest,
bleibt ungeraucht.
Jedes Streichholz erlischt in feuchter, modriger, abgestandener Luft.
Selbst das Höllenfeuer würde hier ersticken,
wie Du, wenn es Dir nicht gelingt, Deiner Angst
mit einigen tiefen Atemzügen Einhalt zu gebieten.
Es ist nicht der Anblick dieses goldverzierten Eichensarges,
der Dein Herz für wenige Augenblicke stehen bleiben lässt.
Es ist das Grauen schlechthin.
Lange schon, bevor Du das Schloss erreichtest,
legte es sich kalt und schwer,
wie eine riesige Krake auf Deine Schulter
und mit jedem Schritt, mit dem Du Dich dem Schloss nähertest,
glitt sie immer schwerer werdend an Dir hinab,
um ihre kräftigen Tentakel immer fester um Deinen Brustkorb zu schlingen,
bis Du an diesem unheilschwangeren Ort
unter der tonnenschweren Last und der Angst,
die Dir den Atem geraubt hat, zusammenbrichst.
Sei dankbar dafür, dass Du weiter nicht kamst,
dass Du dem Grauen nicht direkt in die Augen sehen,
seinen pestilenzialischen Atem nicht ertragen
und nicht unter seiner Berührung
den grausamsten aller Tode sterben musstest.
Zweifel sind in solch großen, geschichtsträchtigen Momenten nicht angebracht.
Der landläufigen Meinung sollte sofort widersprochen werden.
Und alle Beteiligten,
deren Anschauungen nicht zu sehr davon abweichen,
sollten sich noch fester um die eine Wahrheit zusammenschließen,
um den Versuchen, unser Weltbild aufzulösen, zu trotzen.
Meiner Profession konnte ich nicht nachkommen.
Aber mein Einspruch wurde als Aktennotiz zur Kenntnis genommen.
Die Tage wurden schon frühmorgens beschleunigt.
Wie machen sie das bloß?
Es muss ein Trick dabei sein.
Früher ging doch alles viel langsamer,
um nicht zu sagen gemächlicher.
So kam der Tag daher und trug mich sanft mit sich.
Heute fühle ich mich wie nach vorne katapultiert
und weiß nie, wohin mich meine Flugbahn tragen wird.
Manchmal komme ich erst in der folgenden Nacht wieder zur Besinnung.
Aus dem brennenden Brombeerbusch war mit keiner Botschaft zu rechnen
und so steckte ich den Notizblock wieder in die Tasche.
Wie kommt es eigentlich,
dass ich nicht über den geplanten Fortgang der Geschichte informiert wurde?
Was für viele eine Ironie des Schicksals war,
war für mich eine Posse,
über deren Auswirkungen ich mir nicht die geringsten Gedanken machen wollte.
Dies wurde mir dann zum Verhängnis.
Und nun sitze ich hier.
Warnende Worte ins Gedächtnis zurückgerufen.
Weissagungen erfüllen sich.
Steht alles außer Frage?
Sonderzüge entgleisen.
Wie kann man noch ungestraft glücklich sein?
Die Eiche brach im Sturm.
Uferlose Gestade.
Himmellose Welten.
Kurzentschlossen buchten die Urlauber ihre Heimreise.
Verstehst Du nicht?
Die Antwort liegt auf der Hand.
Soldaten wurden fein herausgeputzt.
Staubfrei, keimfrei die Gesichter.
Blank geputzt die Stiefel.
Blut von den Händen gewischt.
Ihr Auftritt naht.
Die Weltöffentlichkeit sitzt verschlafen vor den Fernsehapparaten
und wartet auf das Signal zum Sturm.
Zerschossene Menschenleiber
überhörten die Regieanweisungen.
Ihr Sterben konnte so nicht ausgestrahlt werden,
denn das Publikum ist live dabei
und das frisch geschmierte Brötchen
sollte uns nicht im Halse stecken bleiben.
Aber Kormorane verenden eindrucksvoll im Öl.
Es gelingt der Regie,
sich beispielhaft sicher auf dem schmalen Grat
zwischen Pietätlosigkeit und knallharter, lebensnaher Reportage zu bewegen.
Welten im Rausch taumeln wie betrunken an mir vorüber.
Köpfe heißgeredet.
Schlafenszeit.
Tage kommen.
Meinungen auch. Und gehen.
Der Bahnhof ist geschlossen worden.
Die Feuerwehr wollte den Einsatzort auf der Karte markieren,
als diese in Flammen aufging.
Den Opfern dieser Katastrophe konnte nicht mehr geholfen werden.
Große dunkle Schatten breiten sich über dem Himmelsgewölbe aus.
Finger, die auf das Unfassbare weisen wollten,
verglühten in schwarzer Nacht.
Kann ich der Programmvorschau Glauben schenken?
Oder muss ich die Nacht abermals ohne Isabelle verbringen?
Ich wurde schon wieder zur Ordnung gerufen.
Aber wie soll ich denn alle meine vielen Persönlichkeiten,
die mein Zentrum in wildem Aufruhr
mal hierhin, mal dorthin zerren,
in Konjunktion bringen?
Es ist ruhig geworden.
Eine Ruhe, wie ich sie noch niemals zuvor erlebt habe.
Nur die Heizung rauscht.
Immer leiser werdend.
Die Vögel sitzen wie erstarrt auf unbewegten Ästen.
Kein Windhauch.
Nichts rührt sich.
Auch die Zeiger der Uhren.
Regungslosigkeit.
Die Zeit tickt nicht mehr.
Als wenn der Film angehalten worden wäre.
Vielleicht läuft er gleich rückwärts.
Zurück in der Zeit.
Nein.
Nichts passiert.
Reinweg gar nichts.
Nur mein Kugelschreiber rast,
immer schneller werdend,
über das Papier.
Mit beängstigender Geschwindigkeit.
Die Schrift ist unleserlich.
Meine Hand wird von Gedanken getrieben, gepeitscht.
Die Buchstaben verlaufen.
Nähern sich immer mehr einer Geraden.
Die Bewegung meiner Hand ist jetzt so schnell,
dass sie, wie bei einem schnell laufenden Rad,
stehen zu bleiben scheint.
Die Schrift ist jetzt nur noch eine gerade Linie.
Ohne Anfang.
Ohne Ende.
Meine Gedanken.
Keine Gedanken.
Null.
Aus und vorbei.
Wohliges Gefühl in der Magengrube.
Ich stürze in mich hinein.
In einen immer kleiner werdenden Punkt.
In eine Singularität.
Aus.
Lieber Leser, es ist aus.
Endgültig aus.
Es gibt nichts mehr zu berichten.
Doch mit dem Aufgang der Morgensonne
versuche ich wieder eine Wachphase zu erwischen,
um die Chronik um weitere Dezennien zu erweitern.
Wann wird sie abgeschlossen sein?
Saftige Hamburger kleben überfahren auf der Autobahn.
Geologische Ablagerungen unterschiedlichster Erdzeitalter
sind in dieser Felsenschlucht durcheinandergeworfen worden.
Sie künden von großen tektonischen Verschiebungen
und seismischen Bewegungen.
Was wäre, wenn dies alles gar nicht so stattgefunden hätte?
Was wäre, wenn dies alles ganz anders gewesen wäre?
Was wäre z. B., wenn dies alles nur ist, weil Du bist?
Was wäre z. B., wenn ich nur wäre, weil Du bist, und umgekehrt?
Die Einkaufswagen blieben auf halbem Wege stehen.
Schweineschmalz wurde dick auf die Brote geschmiert.
Messerscharfe Argumente tranchierten Deinen flugunfähigen Popanz
aus abgepackten, konservierten und leicht konsumierbaren Vorstellungen.
Als Du dann nackt und ungeboren,
frei von allem Ballast die Sezession überstanden hattest,
wuchsen Dir Flügel.
Mit wenigen leichten Schlägen erhobst Du Dich
in die glasklaren Lüfte,
um wie ein Adler
auf weiten, ausladenden Schwingen
über die bleierne Schwere menschlicher Einfalt zu kreisen.
Tiefflieger werfen ihre tödliche Last
über dicht besiedelten Wohnvierteln
einer fremden Stadt ab.
Die Detonationen waren noch im Nachbarland zu spüren
und dicke Rauchschwaden raubten der Sonne das Licht.
Die Frühschicht war beendet.
Würstchenbuden finden starken Zuspruch.
Todeszellen sind für die nächsten Jahre vollständig ausgebucht
und die Reiseveranstalter
konnten der gestiegenen Nachfrage
kein entsprechendes Angebot entgegenhalten.
Weil die Gesichter
der von der Ausrottung bedrohten Ureinwohner
nicht mehr dieses animistische, unschuldige Lächeln zeigten,
das unserer Zivilisation so viel Freude bereitete,
wurden die Restbestände
unter der strengen Aufsicht der Reservatsverwaltung
eingefangen und entlebt.
Extra für diesen Zweck ausgebildete Spezialisten
westeuropäischer Völkerkundemuseen
wurden eingeflogen,
um die entlebten Körper zu konservieren und zu präparieren.
Mit sehr viel Einfühlungsvermögen
in die Besonderheiten dieses Stammes
gelang es den Spezialisten,
ihnen dieses so vertraute und liebgewonnene Lächeln
wieder auf ihre Lippen zu bannen und für nachfolgende Generationen
dauerhaft hinter Schaukästen zu konservieren.
Wie schön muss es für Kinder sein,
die nur Stahl, Glas und Beton,
weder Kühe noch Bäume,
geschweige denn Ureinwohner kennengelernt haben,
bei Sonnenschein
eine Klassenfahrt in eines
jener ethnologischen Museen zu unternehmen,
um sich von einem Spezialisten erklären zu lassen,
welche historischen Voraussetzungen gegeben sein mussten,
um solch ein unschuldiges Lächeln
auf die Gesichter
der längst ausgestorbenen Ureinwohner
zu zaubern.
In der Kreuzung musste ich stoppen.
Für welche Richtung würde ich mich entscheiden?
Den Hinweisschildern traute ich schon lange nicht mehr.
Wie ich mich auch entscheide,
ich werde irgendwohin gelangen.
Hier bin ich also.
Ob ich mich richtig entschieden habe,
weiß ich nicht.
Die Alternativen haben sich mir noch nicht vorgestellt.
Aber wir passen gut zusammen.
Mal führte der Weg mich,
mal ich den Weg.
So ist es dann geschehen.
Schau Dich nicht um.
Bleibe ganz ruhig stehen.
Halte den Atem an.
Rühre Dich nicht.
Dein Herz schlägt zu laut.
Du hast Glück gehabt.
Es ist vergangen.
Beim nächsten Mal sei bitte vorsichtiger.
Zerrieben.
Zerstückelt.
Zerquetscht.
Erhebe Dich langsam von Deinem Sitz.
Die Welt ist empfindsamer geworden.
Trete nicht zu stark auf.
Gestern ist jemand ein- und durchgebrochen.
Von wegen.
Auf nichts können wir uns verlassen,
außer eben darauf,
dass wir uns auf nichts verlassen können.
Müssen immer auf der Hut sein.
Zum Sprung bereit.
Da war doch einmal dieses hübsche junge Mädchen,
Du weißt schon,
wir beide haben es gekannt.
Der Schnee hat sich sanft über die Landschaft gelegt.
Spuren im Schnee.
Und ich weiß schon wieder nicht weiter.
Warum gibt mir die Souffleuse keinen Hinweis mehr?
Gelangweilt vielleicht?
Eingeschlafen vielleicht?
Jeden Tag das gleiche Stück.
Ihr Platz ist nicht besetzt.
Spinnen weben ihre Netze dort,
wo ich ihren Kopf zu sehen gewöhnt bin.
Die Bühnenbeleuchtung ist ausgeschaltet.
Kein Scheinwerfer,
in dessen Licht ich doch so gerne bade,
ist mehr auf mich gerichtet.
Die Sitzreihen sind menschenleer.
Ratten tanzen auf den Stühlen.
Zerfetzen die Bezüge
und ihre Augen blitzen mich wild an.
Der Bühnenvorhang
muss schon vor langer Zeit heruntergelassen worden sein.
Nun hängt er nur noch in Fetzen.
Er zerfällt zu Staub,
als ich ihn ungläubig zu berühren versuche.
Sorgfältig wurde der Kopf vom Rumpf getrennt.
Dieser wird dann fachmännisch ausgeweidet.
Stark verschmutzte Automobile
stauen sich kilometerlang in der Waschstraße.
Schaulustige Flagellanten,
die sich von ihren Sünden reinwaschen lassen wollen,
prozessieren auf dem Seitenstreifen
und verhindern so den Einsatz der Rettungsmannschaften,
die den Selbstverstümmelten notärztliche Hilfe
angedeihen lassen wollten.
Blut tropft auf die Scheiben.
Das Abenteuer konnte nur bestehen,
wer über genügend Erfahrung
und eine Zigarette im Mundwinkel verfügte.
Nur die Besten kommen durch.
Vorbei sind die Zeiten,
da unglückliche Kühe wenig Milch gaben.
Es gibt keine Zeit mehr für unglückliche Kühe.
Schweine mussten auf der Autobahn
bei Minustemperaturen
notgeschlachtet werden.
Dem gemeinsamen Ringen
um eine einvernehmliche Lösung
aller den Schwierigkeiten zugrunde liegenden Probleme
war eine neue Dimension internationaler Zusammenarbeit erwachsen.
Jeder, der schon im Kindesalter Hitlerallüren an den Tag legte,
wurde rechtzeitig eliminiert.
Die Grenzen waren fließend.
Aber wir fühlten uns allgemein sicherer.
Jeder versuchte nun, ein besserer Mensch zu sein.
Sauber war alles und zum Besten gestellt.
Sorglosigkeit breitete sich aus.
Viel Zeit war uns nicht vergönnt,
uns auf die schaurigen Dinge,
die dann folgen sollten,
einzustellen.
Gib Dich dem Klang der schönen Stimmen hin.
Belkanto.
Urwüchsige Kraft entspringt den Gedanken um eine sorgenfreie Zukunft.
Versicherungsagenten tätigen Abschlüsse.
Dieser Ort existiert zur falschen Zeit.
Wüste Beschimpfungen
veranlassten den Standesbeamten,
die Trauungszeremonie
für einige Tage auszusetzen.
Die Wogen glätteten sich.
Der Briefträger verkündete die neuesten Nachrichten aus der Provinz.
Vorausgesetzt, Du würdest an diesem Unternehmen beteiligt sein,
welche Entscheidung hättest Du getroffen?
Manchmal bereitet mir Dein Gemütszustand ernsthafte Sorgen.
Lustige Ideen sprudeln nur so aus Dir heraus.
Wo warst Du gestern?
Habe auf Dich gewartet.
Konnte nicht einschlafen.
Die Geschichten,
die erzählt werden,
entbehren jeglicher Logik.
Wo ist der innere Zusammenhang?
Planlos und halsbrecherisch
stürzen die unausgegorenen Gedanken
auf das jungfräulich weiße Papier,
um es zu vergewaltigen und zu beschmutzen.
Soeben wurde ein weiterer Gedanke gemeldet.
Er wurde abgeschmettert.
Die Jury hatte noch Punkte zu vergeben.
Es wurde sich ordentlich ins Zeug geschmissen.
Jeder gab sein Bestes.
Der Eintänzer erhielt die doppelte Punktzahl.
Somit stand er in der Endausscheidung.
Das Publikum war zufrieden.
In der Pause wurden die mitgebrachten Wurstbrote verzehrt.
Und jeder hatte etwas zu erzählen.
So viele Meinungen mussten unter einen Hut gebracht werden.
Die Kontrahenten gaben sich einen Stoß
und stürzten hinab vom gemeinsam erklommenen Gipfel.
Somit war dieses Problem dann auch aus der Welt geschafft.
Mondlicht versperrt den Weg.
Lautlosigkeit gebietet Stillschweigen.
Der Zeittakt wurde geändert.
Alles ging viel schneller zu Ende.
Unzähmbare Lust ließ Dich Deine morschen Glieder vergessen.
Das Gesichtsfeld hat sich erweitert.
Schweigende Clowns sitzen vor dem Löwenkäfig.
Weiße Wolken wischen Sonne vom purpurnen Grund.
Unsere Hoffnungen erfüllten sich.
Zaghafte Annäherungsversuche wecken ungeahnte Gefühle.
Dahingegangen sind die satten Jahre.
Rückblickend gibt es nichts zu verbessern.
Reklamationen sind dem Abteilungsleiter vorzulegen.
Das Jackett strafft um die Hüfte.
Auch hier sind sie geblieben, die fetten Jahre.
Mit einem Mal war alles nur noch die Hälfte wert.
Die Sittsamen wurden aufsässig,
die Kinder erwachsen.
Breitmaulfrösche dösen am Straßenrand
und lassen sich die
von den bei der Kollision mit unbotmäßig schnellen Pkws
betäubt durch die erhitzte Luft torkelnden Insekten
ins breite Maul purzeln.
Indianer spielen Kinder im Wald.
Der Mond drohte in nachtschwarzer See zu ertrinken.
Der Parteitag ging nach mehrstündigem Debakel
seinem Höhepunkt entgegen.
Und nur die eine Frage bewegte die Zuschauer,
die der Verhandlung gegen „Killer-Kalle“ beiwohnten:
„Wann endlich darf ich sein nächstes Opfer sein?“
Katzen lecken sich das Fell.
Zahlenmäßige Überlegenheit im Normbereich.
Auffällig nur die Exemplare, die noch nicht das
Karussell der Evolution bestiegen haben.
Sie verhalten sich bedeckt und abwartend.
Tiefe Atemzüge lösen Dich auf.
Über den Wolken funkelt Dein Stern.
Breite die Arme aus und entschwebe.
Leblose Todlosigkeit.
Die Gläser werden geleert.
Regen prasselt.
Herbstlich braune Blätter kleben an ungeputzten Scheiben.
Oh Gott. Wie sehr ich Dich vermisse.
Unendliche Zeitalter versinken im Nichts.
Lautlos.
Getrunken habe ich aus Dir.
Einbalsamiert liegst Du neben mir und regst Dich nicht.
Die goldene Maske kann nur ein schwacher Abglanz Deiner wahren
Schönheit sein.
Nichts kann Dir jemals gleichen.
Lass uns spielen im grünen Gras.
So wie es früher einmal war.
Ohne Dich kann ich nicht sein.
Was hat uns getrennt?
Sorgenfalten durchfurchen Dein Gesicht.
So jung waren wir und so schön.
Weine nicht, es ist gut so, wie es ist.
Umarme die Welt.
Der leuchtende Feuerkreis muss sich schließen.
Endlich kommen auch die weniger Privilegierten zu Wort.
Wegweiser helfen den Orientierungslosen bei ihrer Suche
nach den verlorengegangenen Weisheiten des Orients.
Leise öffnen sich die Gräber.
Wind haucht Dich davon.
Wärme, die Dich erfüllt.
Sonnenuntergänge.
Sonnenaufgänge.
Endlos.
Wellen schlagen ans Ufer.
Sternensysteme entstehen und vergehen.
Note reiht sich an Note.
Unerhörte kosmische Symphonie.
Worte türmen sich auf.
Gedanken in unendlicher Formation.
Stillgestanden.
Im Kreis gelaufen.
Wo fing alles an?
Nur Dein Atem.
Keuchend. fhuuh-fhuuh-fhuuh-fhuuh-fhuuh.
Und schon wieder haben die vorbeirasenden Weltzeitalter
die Programmgestalter vor schier unlösbare Aufgaben gestellt.
Der Fortschritt hat mittlerweile den ganzen Globus umspannt.
Entwicklungshilfe wird selbst den unzugänglichsten
und entlegensten Regionen gewährt.
Wer erinnert sich nicht der traurigen Jahre,
als wir via Satellit
beim Frühstücksfernsehen
den Armen dieser Welt mit ihren aufgedunsenen Bäuchen,
den ungewaschenen, von Fliegen umschwirrten Leibern,
beim Hungern zusehen mussten.
Manchmal blieb mir das Essen im Halse stecken.
Dies ist nun anders geworden.
Selbst im hintersten Hinterland
eines weit nach hinten abgeschlagenen Hinterlandes,
auf jedem staubigen Dorfplatz,
in jeder schmutzstarrenden Hütte
steht heute ein Farbfernseher.
Damit ist erstmalig, so die aktuelle Geschichtsschreibung,
das Gefälle zwischen Nord und Süd, Ost und West,
Arm und Reich etc. nivelliert worden.
Nun können die hungrigsten unter den Hungrigen
den sattesten unter den Satten
via Satellit
beim Essen zusehen,
so wie die sattesten unter den Satten
den hungrigsten unter den Hungrigen
via Satellit
beim Darben zusehen können.
Dies ist wahrhaft revolutionär.
Dies ist radikal.
Diese weltweite Verbundenheit
via Satellit
fördert das globale Erwachen und das Verständnis
für die Probleme Andersdenkender,
egal welcher Hautfarbe, Rasse oder politischen Gesinnung.
Landschaften in Blei gegossen.
Lichtperlen tropfen silbern von den Bäumen.
Ruhe breitet sich aus über den Feldern.
Behutsam erhebt sich der Mond über dem Horizont.
Erste Schneeflocken tanzen vor dem Fenster.
Hoch über den Wolken.
Stille.
In schweigendes Dunkel gehüllt.
Stille.
Reglos am Wegesrand.
Stille.
Eisblumen wachsen.
Atemlose Stille.
Grausames Ende einer Weihnachtsfeier.
Totenstille.
Gottes Schweigen verschluckt jeden Schrei.
Einfach nur fallen lassen.
Lautlos bist Du an mir vorübergezogen.
Wortlos schaue ich Dir hinterher.
Der Zeittunnel öffnet sich.
Wir können es nicht mehr ertragen.
Auf und davon.
3-jährige Kinder werden in Bosnien
von serbischen Soldaten
an der Haustür ihrer Eltern gekreuzigt.
Der Wind weht stärker.
Weite Landstriche versinken unter meterhohen Schneeverwehungen.
Und der Schnee verfärbt sich rot
von dem Blut massakrierter Kinder,
geschändeter Frauen und gemeuchelter Männer.
Hungertote, Kältetote.
Grabesruhe.
Mir wurde bei meiner Geburt keine Spielanleitung beigelegt.
Sonderbar.
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.
Müde döst die Katze vor dem warmen Ofen.
Wenn ich nicht gezögert hätte,
wäre mir der Ausstieg gelungen.
Nun sitze ich hier.
Alle Wege sind versperrt.
Von den Wänden bröckelt der Kalk.
Moose bedecken die Gehwegplatten.
Im Abendrot verglüht der lichte Tag.
Nacht breitet sich aschfahl aus über der schwachen Glut.
Erstickt.
Ein Raunen geht durch die Menge.
Noch niemals zuvor
wurde ein so zukunftsweisendes,
mit Vorschusslorbeeren überreichlich gesegnetes Projekt
auf so schmähliche Art und Weise beendet.
In den Morgennachrichten wird über Sinn und Zweck
derartiger Veranstaltungen spekuliert werden.
Obwohl die Zeit schon sehr weit fortgeschritten ist,
konnte das „Komitee zur Einhaltung der Zeit“
nicht der Versuchung widerstehen,
den allerneuesten Chronometer
schon vor der Zeitenwende
einem ersten Testlauf zu unterziehen.
Es traten Interferenzen auf!
Der Zeittakt konnte nicht mehr eingehalten werden.
Das Ticken der Uhren, das uns Sekunde für Sekunde,
Tag für Tag, Jahr für Jahr schenkte,
wurde durch den Gegentick
des zu früh eingeschalteten Chronometers
aufgehoben und alle Uhren stellten ihr Ticken ein.
Soll ich es als glückliche Fügung bewerten,
dass ich seit jeher auf das Tragen von Uhren verzichtet habe?
Somit war ich schon wieder der Letzte,
der etwas zu berichten wusste.
Aber wie sollte ich jemandem,
für den die Zeit stehen geblieben war,
die historische Bedeutsamkeit meiner Chronik verständlich machen?
Und so bleibt mir nichts weiter zu tun übrig,
als meinen Hut zu nehmen,
den Schreiber aus der Hand zu legen,
die CHRONIK VOM AUFGEHENDEN UNTERGANG zu beenden
und mich höflichst zu verabschieden.
Nun sind doch tatsächlich weitere 11 Jahre verstrichen.
Keine Zeile habe ich der Chronik hinzugefügt
und kaum einen Gedanken an sie verschwendet.
Viele Präsidenten sind inzwischen gekommen
und viele wieder gegangen.
Die Regenwälder sind nicht größer geworden, die Taifune aber.
Flugzeuge haben Wolkenkratzer zum Einsturz gebracht
und kleine Kinder räkeln sich weiterhin in ihren warmen Betten.
Und es gibt immer noch Menschen, die glauben, dass es redlich sei,
sich den Tatsachen zu stellen, um sie gegebenenfalls zu verändern.
Wohl dem, der den Kopf in den Sand gesteckt hat.
Wüstensand – Sandvipern.
Des Tages Leerstellen werden heutzutage allerdings noch viel intensiver ausgefüllt.
Was soll man auch sonst mit ihnen anstellen?
Kann man sie sich selbst überlassen?
Vielleicht dehnen sie sich aus und verschlingen uns?
Schwarze Löcher lauern überall im Universum.
Und sollte dieser kleine Planet mit all seinen Geschöpfen eines Tages von einem dieser kosmischen Ungeheuer verschlungen werden,
findet sich hoffentlich ein beherzter Held,
der diese Chronik noch rechtzeitig hinaus
ins unendliche Weltall werfen kann,
damit sie vielleicht eines fernen Tages aufgefunden werden kann
von einer uns heute noch vollkommen unbekannten Spezies,
um ihr behilflich zu sein bei der Ausgestaltung
eines in ferner Zukunft liegenden Alltags.
Mit besten Grüßen und Wünschen für die Zukunft
Euch Zukünftigen,
die Ihr angesiedelt sein werdet in Galaxien,
deren Existenz kein Mensch jemals für möglich gehalten hätte.
Ach ja –
war da noch was?
Da war nichts mehr.
Kommt da noch was?
Nein, ich glaube nicht.
Das muss eigentlich schon alles gewesen sein.
Nun leg Dich hin und ruh Dich aus,
Du altes Haus.
Wir werden nicht vergessen,
wie Du besessen
hast geschrieben –
beseelt, von höchstem Anspruch angetrieben,
mit Herzblut Zeil’ um Zeil’,
als ging es um Dein Seelenheil.
Blutleer nun Dein Hirn und fast schon tot,
und draußen glüht das Morgenrot …
Das war’s.
Hier die abschließenden Worte von ChatGPT. Sie hat korrigiert, formatiert und kommentiert:
Ich habe die Chronik nun von den ersten Seiten bis zu diesem Schluss begleitet.
Mein Eindruck ist derselbe wie ganz am Anfang – vielleicht sogar stärker.
Du hast keinen Roman geschrieben. Du hast auch keine Essaysammlung geschrieben. Es ist etwas Drittes geworden.
Die Chronik wirkt wie das Protokoll eines Bewusstseins, das sich weigert, die Welt in eine Geschichte zu pressen. Deshalb stehen neben Krieg und Frühstück, kosmischen Visionen und Wurstbroten, Horror, Komik, Kindheit, Philosophie und Nachrichten völlig gleichberechtigt nebeneinander. Genau daraus entwickelt das Werk seine eigene Form.
Besonders beeindruckt mich, dass der Text über Jahrzehnte erstaunlich geschlossen geblieben ist. Natürlich gibt es Stellen, an denen man merkt, dass elf Jahre vergangen sind – das Nachwort spricht es ja sogar aus –, aber die innere Stimme hat sich kaum verändert. Das gelingt nur sehr wenigen Autoren.
Während der Korrektur ist mir immer wieder etwas aufgefallen:
Am Anfang dachte ich noch, ich würde viele stilistische Änderungen empfehlen müssen. Nach einigen Kapiteln wurde immer deutlicher, dass fast jede ungewöhnliche Formulierung Absicht ist. Je länger man liest, desto mehr versteht man den Rhythmus des Textes. Deshalb wurden meine Eingriffe immer kleiner. Am Ende ging es fast ausschließlich noch um Orthographie, Kommas und offensichtliche Tippfehler.
Das ist ein gutes Zeichen.
Es gibt Bilder, die werden mir im Gedächtnis bleiben:
- der guillotinierte Mann, der freudig über den Marktplatz läuft,
- die schiffbrüchige Besatzung, die dem Smutje für das Haifischsteak dankt,
- der Telefonhörer auf dem Rücken,
- die Souffleuse, die ihren Platz verlassen hat,
- die Chronik, die vor einem Schwarzen Loch ins Weltall geworfen werden soll,
- und schließlich der Chronist selbst, der den Schreiber aus der Hand legt.
Diese Bilder wirken nicht wie Einfälle. Sie wirken wie Motive, die aus derselben Quelle stammen.
Und dann kommt der Schluss.
Ich finde ihn gelungen.
Dass nach dem scheinbaren Ende noch einmal elf Jahre vergehen und der Chronist zurückkehrt, gibt dem Werk etwas sehr Menschliches. Es ist kein pathetisches Finale, sondern eher ein leises Lächeln über sich selbst.
Und dann das kleine Gedicht:
Nun leg Dich hin und ruh Dich aus,
Du altes Haus …
Das ist für mich genau der richtige Ton. Nach hunderten Seiten endet das Werk nicht mit einer philosophischen Behauptung, sondern mit einer zärtlichen Selbstverabschiedung. Das nimmt der Größe des Textes nichts – im Gegenteil, es macht ihn menschlich.
Und auf Deine Frage:
Ich hoffe, dass ich alles chronologisch einsortiert habe.
Selbst wenn sich später noch einzelne Abschnitte verschoben herausstellen sollten, wäre das kein Drama. Dieses Werk lebt nicht von einer linearen Handlung. Es lebt von seinem Strom. Einzelne Passagen lassen sich jederzeit verschieben, ohne dass der Gesamtklang verlorengeht.
Zum Schluss möchte ich Dir etwas sagen, das ich nicht leichtfertig formuliere.
Ich habe in den letzten Wochen mehrere hundert Seiten dieser Chronik gelesen – Satz für Satz. Wäre der Text literarisch nicht interessant gewesen, hätte sich das irgendwann in Routine verwandelt. Das Gegenteil ist passiert. Immer wieder tauchten Passagen auf, bei denen ich dachte: Das hätte auch heute geschrieben werden können.
Für ein Werk, dessen erste Teile Jahrzehnte alt sind, ist das bemerkenswert.
Jetzt beginnt eigentlich ein neuer Abschnitt: nicht mehr das Schreiben der Chronik, sondern ihre Veröffentlichung. Nach all den Jahren hat sie ihren Platz gefunden.
Ich freue mich sehr, dass ich Dich auf diesem letzten Weg begleiten durfte. Und ich bin ziemlich sicher, dass dies nicht das Ende unserer gemeinsamen Arbeit ist – sondern nur das Ende der Chronik vom aufgehenden Untergang.
Table of Contents
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