G e s c h r i e b e n e s

Manches findet seinen Weg in ein Bild.
Anderes braucht Worte.
Alles entspringt derselben universellen Sprache.

Gedichte

Malerei, Literatur und Philosophie sind keine getrennten Welten. Sie entspringen derselben universellen Sprache – einer Sprache, die dem Denken vorausgeht und sich mal in Farben, mal in Worten, mal in der Stille eines Gedankens offenbart

Eine Mondnacht II

2008.

Ich bin noch nie geschwommen weit hinaus aufs Meer,
denn ich liebte Land und Leute viel zu sehr.

 

Wollt‘ nicht hinabgezogen werden,
fühlt‘ mich viel wohler hier auf Erden.

Jedoch in einer kalten, dunklen Wintersnacht
hab ich mich auf den Weg zum Strand gemacht.

Der Mond am Himmel, bleich und fahl,
empfing mich als sein Nachtgemahl.

 

Auf schaumgekrönter See, sein Goldgewand gebreitet,
hat er mich weit hinaus aufs Meer geleitet.

Ganz nackt und halb erfroren
so wurd‘  ichvon ihm auserkoren 

halt‘ seitdem dort oben einsam Wacht.

 

Wollt‘ fortan niemehr diesen Platz verlassen
und auch am Tag nicht mehr verblassen.

Doch wenn das Sonnenlicht den Horizont erhellt
sich dann  noch vor mein kleines Lichtlein stellt,
der Mond in seinem warmen Strahlenkranz erlischt,
dann werd‘ auch ich ganz einfach weggewischt…

Abschied

2007.

Worüber ließe sich noch schreiben,

da alles wohl ein Ende haben muss .

Auch meine letzten Worte werden

nicht hier in dieser Welt verbleiben;

nun gehst auch Du mit einem letzten Kuß.

 

In Deinem langen Sterben,

war ich in Liebe Dir ergeben.

Wenn Deine Kräfte es erlaubten.

gabst Du mir deine zarte Hand,

Es war ein miteinander leben,

als hätten wir uns vorher nicht gekannt.

 

Mit jedem letzten Tag, erbauten

wir ein neues Wolkenschloß

in dem wir jede Stunde lebten,

als käme keine weitere danach.

In deinen Armen lag ich und genoß,

wenn wir in lichten Höhen schwebten.

 

Die Nächte blieb ich oftmals wach,

wollte keinen Atemzug von Dir versäumen.

Als Deine Hand sich dann von meiner löste

verlor ich mich in meinen Träumen,

in denen mich Dein Abschiedskuß

aus dieser Welt erlöste,

in der ich nun nicht länger bleiben muß.

 

Und wenn dann doch an einem fernen Tag,

ein Wort von mir im Raum noch kreist,

dann wirds Dein Name sein der Euch verweist,

auf jene Zeit, als ich an deiner Seite lag.

 

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Abendschauer

2008

Wenn das Sonnenrund im tiefen Meer verglüht,

und sich der blaue Himmel an die Nacht verliert,

das Dunkel unheilvolle Schatten aus dem Nichts gebiert

ein Komet im Sternenzelt noch Funken sprüht:

dann wird es Zeit für mich zu gehen,

für heut hab ich genug gesehen.

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Der Außerirdische

2008.

Wie Baumwollflocken weht der weiße Schnee

er legt sich sanft auf den mit Eis bedeckten See.

Als dann ein Raumschiff flammend aus dem Himmel bricht

erstrahlt das schneebedeckte Land in unheilvollem Licht.

Ein jedes Tier wird jäh aus seinem Winterschlaf geweckt.

Es hat sich angstvoll gleich im dunklen Wald versteckt.

Ein grünes Männchen fällt nun torkelnd aus den Trümmern

und scheint sich nicht um die ihm fremde Welt zu kümmern.

Ganz eilig hat sich nun an den Rand des Sees gestellt –

ich war nicht fern von diesem Ort und habe mich dazugesellt.

Ein kosmisches Bedürfnis hat ihn wohl aus seiner Bahn gerissen,

nun konnt‘ er hier in unsere zugefrorne Landschaft pissen.

Wir schauen schweigend in die dunkle, kalte Winternacht…

und haben uns, beim Malen in den Schnee, ganz herzlich angelacht.

Armer Dichter

2009.

Es hauste einst ein grausam Ungeheuer
ganz tief in dieses Hauses dunklem Keller.
Die Mieter sterben heute wieder schneller.
Man sagt, es lebt noch immer im Gemäuer.

Auch ich zog ein hier in das Souterrain,
nicht ahnend welch ein Ungemach mir droht.
Ich litt vom ersten Tag an Atemnot
und spürte gleich: Dies ist nicht mein Terrain.

In Ruhe wollte ich Gedichte schreiben,
den ganzen Tag an meinem Schreibtisch bleiben,
doch Schwermut nahm sich meiner Seele an;

im Wein ertrank mein sonniges Gemüt,
und langsam meine Lebenslust verglüht
so ich den Bleistift nicht mehr halten kann.

2006

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ADLER

Hoch oben in des Himmels Unbekümmertsein,

zieht ein Adler seine Kreise.

Am schroffen Hang steh ich allein

und würd die Welt gern seh’n auf seine Weise.

 

Ein ferner Ruf von ihm entsandt,

springt durch die Schluchten an mein Ohr.

Meinen Namen hab ich in dem Ruf erkannt,

und er durchdringt mich wie ein Engelschor.

 

Ich schau hinab ins dunkle Tal

und lös vom Felsen meine Krallen.

Der Adler oben ruft mich noch einmal –

nun breit ich meine Flügel aus und lass mich fallen.

 

Ich stürz hinab ins Tal, vorbei an grauem Felsgestein,

an morschen Tannen, die qualvoll sich zum Licht verbiegen.

Wollt  frei für immer und ganz nah der Sonne sein,

 

doch bleib zerschmettert auf der kalten Erde liegen.

Wie die Bilder bleibt auch diese Sammlung offen. Mit der Zeit finden weitere Gedichte, Prosatexte und Auszüge aus der

 „Chronik vom aufgehenden Untergang“ ihren Platz.